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Antonio Vivaldi

Violinkonzerte RV 177, 191, 222, 273, 295, 375

Giuliano Carmignola, Venice Baroque Orchestra, Andrea Marcon

Sony 89362
(74 Min., 6/2000) 1 CD

Kennste eins, kennste alle: So urteilte sinngemäß Igor Strawinsky über das Konzertschaffen Vivaldis – ein Schaffen, von dem er selbst nur ein winziges Eckchen kannte. Diese CD wartet mit der Schlagzeile „Weltersteinspielungen“ auf, und ich verrate sicher kein Geheimnis, wenn ich mitteile, dass auch dieser Vivaldi so klingt wie das, was man von ihm kennt. Sein Vokabular, das freilich wesentlich vielseitiger ist, als Strawinsky glaubte, ist leicht wieder zu erkennen.
Eine Entdeckung gibt es allerdings. Der zweite Satz im Konzert D-Dur RV 222: Dieses „Andante“ (eine seltene Tempovorschrift in einem langsamen Vivaldi-Konzertsatz) ist eine getragene Variationenreihe über das berühmte „La-Follia“-Thema. Carmignola präsentiert es mit seinen venezianischen Kollegen mit extremer Detailgestaltung, meist in gedämpfter Lautstärke, sehr verhalten, geradezu mit Understatement. Mir gefällt es so gut, dass ich mich nicht wunderte, wenn das Stück demnächst den verwandten Variationen-Dauerbrenner Nr. 1, den „Kanon“ von Pachelbel, ablöste.
Auch insgesamt ist die Einspielung empfehlenswert: Die „authentische“ Rasanz schneller Sätze, das fast ans Geräuschhafte grenzende Krachen im Generalbass inszenieren die Venezianer grandios, überzeugend und ohne in Übertreibungen zu verfallen.

Oliver Buslau, 22.11.2001



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