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Antonio Vivaldi

Die vier Jahreszeiten, Violinkonzerte Es-Dur RV 257, B-Dur RV 376 und D-Dur RV 211

Giuliano Carmignola, Venice Baroque Orchestra, Andrea Marcon

Sony SK 51352
(71 Min., 11/1999) 1 CD

Es ist schon merkwürdig: Da brechen die "Vier Jahreszeiten" von Antonio Vivaldi sämtliche Rekorde, tauchen in den Pop-Charts auf, und die Zahl ihrer Einspielungen füllt eine Menge Raum im "Bielefelder Katalog", doch die Stadt, der Vivaldi mit seiner Musik ein klingendes Denkmal setzte, hat sich bisher an dieser Entwicklung kaum beteiligt: Eine "Jahreszeiten"-Einspielung aus Venedig fehlte bisher. Es hat eine Weile gedauert, bis man in Italien zur historischen Aufführungspraxis fand, und auch sonst sind die Italiener kaum repräsentativ in Sachen Orchestermusik: Wie viele international bekannte Sinfonieorchester kommen aus Italien?
Nun hat sich einiges geändert: Das Venezianische Barockorchester legt "seinen" Vivaldi vor, und der ist gar nicht übel. Das Ensemble pflegt einen drahtigen, trockenen, schlanken, aber trotzdem ordentlich voluminösen Klang und folgt lebendig den Forderungen barocker Artikulation. Rhetorische Härten oder schroffe Neuigkeiten à la Harnoncourt sind nicht zu erleben, das Spiel der Venezianer ist mehr kulinarisch als aufrüttelnd. Immerhin setzt der Solist Giuliano Carmignola interessante Akzente durch ungewohnte Ritardandi und Fermaten, und so stellen sich diese "Jahreszeiten" dann doch ein bisschen quer gegen die Gewohnheit, die sich bei diesem extrem bekannten Werk unweigerlich einstellt.
Nur scheinbar nebensächlich sind die drei Konzerte, die das Programm ergänzen: Diese Ersteinspielungen (!) sollte man keinesfalls als Anhängsel betrachten. Sie zeigen, welch ein Meister der Ökonomie Vivaldi war: Die Konzerte entwickeln sich aus fast rudimentärem Material, ganz organisch mündet das Geschehen in weite Crescendo-Flächen: Minimalismus à la Barock, hörens- und empfehlenswert. Beim "Roten Priester" gibt es immer noch viel zu entdecken.

Oliver Buslau, 16.11.2000



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