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Ashiya

Walter Lang, Lee Konitz

Pirouet/H’ART PIT3026
(54 Min., 7/2007) 1 CD

Lee Konitz, der Star am Altsaxofon auf Miles Davis’ epochaler Einspielung "Birth Of The Cool", und der deutsche Nachkriegsjazz, das ist eine "never ending love story". Man denke nur an den Einfluss, den der Altsaxofonist auf die legendäre Combo der Pianistin Jutta Hipp und auf das Frühwerk eines Albert Mangelsdorff und Attila Zoller ausübte. Später kam es immer wieder zu spannenden Begegnungen mit Musikern der deutschen Szene. Oft geschah dies im Duo, eine Besetzung, die Konitz schon pflegte, bevor sie unter verschiedenen Etiketten in den 70ern in Mode geriet. Es hat also eine gewisse Logik, wenn Konitz heute überwiegend in Deutschland lebt und hier seinen 80. Geburtstag feiert. Mit seinem Geburtstagsduo hat er für das Münchner Label Pirouet ein ungewöhnliches Album eingespielt. Alle Titel stammen aus der Feder des 46-jährigen schwäbischen Pianisten Walter Lang, und die haben den besonderen Reiz, mit einem ersten déjà vu-Eindruck an die sonst von Konitz bevorzugten klassischen Standards zu erinnern und doch jene klarlinige Abstraktion zu atmen, die Konitz’ Spiel von jeher auszeichnet. Auf dieser CD ist der Altsaxofonist ganz der große Meister des unerschöpflich scheinenden Melodienreichtums, des logisch sich immer weiter und gewagter entwickelnden Diskurses. Der wird höchst konzentriert und unaufgeregt vorgetragen und ist doch dynamisch differenziert und durch Pausen strukturiert. Und dieser cool wirkende vibratolose Ton geht über das Ästhetikempfinden direkt ins Herz. Walter Lang vermeidet es, dicke Akkorde unter Kontiz’ Linearität zu legen, nur ganz zurückhaltend agiert er beidhändig, setzt vielmehr auf nüchtern klare kontrapunktische Fragmente und erinnert so an Konitz einstigen Lehrmeister und Cool-Jazz-Theoretiker Lennie Tristano. Somit schließen sich beglückend für den Hörer gleich mehrere Kreise.

Thomas Fitterling, 09.11.2007



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