Das ist das Wunderbare an Robert Wilson: Man kann sich bedingungslos auf ihn verlassen. Man weiß, was man zu erwarten hat. Die maskenhaften Gesichtszüge, in denen sich kein Muskel, keine Falte regt. Die minimalen, abgezirkelten Armbewegungen. Die wie über ein unsichtbares Liniensystem geführten geraden Zeitlupenschritte. Ach, wie schön! Keine Überraschung. Ewig unendlich dasselbe Spiel. Egal, wie das Stück heißt. Egal, wer der Komponist ist. Ob die Musik schnell, ob langsam, ob romantisch oder impressionistisch ist: Wilson bleibt Wilson. Ein böser Mensch, wer das einfallslos, beliebig, austauschbar oder gar eine längst ausgereizte Masche nennt.
Diesmal also: Aida. Aus dem Theatre de la Monnaie. Szenisch Wilson as usual. Siehe oben. Norma Fantini als starrer Titelheldin dürfte das entgegenkommen: Sie ist eine eher phlegmatische, uncharismatische Darstellerin der alten Schule. Eine Armbewegung hier, eine Kopfneigung dort, das macht sie immer so, diesmal, Wilson sei dank, ist es Kunst. Singen kann sie die Partie. Nicht gerade wie Leontyne Price oder die junge Tebaldi, aber doch mehr als achtbar. Der Rest: Solides aus der zweiten Reihe. Unvermeidlich fur alle Wilsonfans.

Jochen Breiholz, 08.09.2006



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