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N° 1291
04. - 10.02.2023

nächste Aktualisierung
am 11.02.2023



Eine Box für Liebhaber - und für solche, die es werden wollen. Sie gibt einen Überblick über die Aufnahmetätigkeit der EMI-France-Vorgängergesellschaft Pathé im Bereich des französischen Operngesangs, dessen Blütezeit in den 50er und 60er Jahren reichhaltig dokumentiert wurde; nur ein kleiner Bruchteil der damals in Paris entstandenen Opern-Gesamtaufnahmen und Rezitals kehrte allerdings mittlerweile auf den Markt zurück, und bisher waren es vor allem Opernproduktionen, die in aktuellen Ausgaben wieder das Licht der Welt erblickten. Für die vorliegende 10-CD-Box wurde - und hierin liegt das Besondere - der Schwerpunkt auf die Rezitals gelegt.
So findet sich etwa die 1959 unter Leitung von André Cluytens eingespielte Arien-Anthologie der fabelhaften belgischen Mezzosopranistin Rita Gorr in dieser Box - sie enthält u. a. eine wahrhaft hörenswerte Version von Isoldes Liebestod sowie zwei nicht minder mitreißend interpretierte Arien aus Saint-Saens’ "Samson et Dalila". Ein Glanzpunkt der Sammlung stellt das Porträt der korsischen Sopranistin Martha Angelici dar: Diese wahrhaft engelsgleiche Interpretin brilliert u. a. mit Arien aus Gounods "Mireille" und Charpentiers "Louise" - wer sie einmal gehört hat, wird sie nie wieder vergessen (Eine Gesamtaufnahme von Bizet "Carmen" unter Cluytens mit ihr als Micaela wurde übrigens kürzlich bei Naxos wieder veröffentlicht).
Einige andere verdiente Künstler in dieser Box: Der immer elegante, solide und flexible Bariton Michel Dens, der wundervoll timbrierte Tenor Henri Legay (er war übrigens auch der kongeniale Partner von Victoria de los Angeles in Monteux’ Aufnahme von Massenets "Manon", erhältlich beim Label Testament), die Mezzosopranistin Solange Michel, die 1946 den Sprung aus dem Chor der Pariser Oper direkt ins Solistendasein geschafft hatte - und Nicolai Gedda, der mit seinem spektakulären Pariser Rezital von 1961 unter Prêtre vertreten ist. Freilich: Neben Spitzenstars wie Angelici, Gedda und die ebenfalls umfassend repräsentierte Régine Crespin gibt es auch mäßiger talentierte Künstler zu erleben, aber bedeutsam bleibt dennoch der Gesamteindruck, der hier von einer Epoche entsteht, deren künstlerisches Profil seltene Geschlossenheit aufweist. Lobenswert, dass EMI diese wertvolle, aber doch wohl eher den Insider ansprechende Sammlung auch auf dem deutschen Markt anbietet.

Michael Wersin, 12.06.2004



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