Geglättet und gefällig tritt uns hier das Drama aus dem Spanien des 15. Jahrhunderts mit den vielen Bravourstücken entgegen, das von Kerker, Hexen, Hinrichtungen und einer großen tragischen Liebe handelt. Antonio Pappano dringt nicht in die Tiefen der kontrastreichen Partitur von Verdis "Troubadour" vor, entwickelt keine eigene stilistische Vision davon.
Das Londoner Sinfonieorchester hält Pappano zwar sängerfreundlich im Hintergrund, doch lässt er die Sänger weitgehend gewähren. Diesen Freiraum nutzen Roberto Alagna und Angela Gheorghiu zu einer breit angelegten Akrobatik ihrer Stimmen. Es ist wahr: Angela Gheorghiu singt schnörkellos und mit unglaublichen Reserven. Ihr wahres Können zeigt sie allerdings erst im letzten Akt im Duett mit dem vorzüglichen Grafen Luna alias Thomas Hampson: die enorme Spannung in ihrer Stimme, ihre Akzentuierungen, Einfärbungen und ihre hier plötzlich zügig und musikalisch gesungenen Verzierungen. Gheorghius "D'amor sull’ali rosee" hingegen fehlt es an einem vergleichbaren Formwillen. Auch passt der erregte Grundton nicht zum traurig-edlen Inhalt der Arie. Für solche Dinge sollte eigentlich ein Dirigent da sein ...
Roberto Alagna schwelgt mit seiner wohlklingenden, aber im hohen Register unfokussierten Stimme in Schmerz und aufgesetzter Leidenschaft. Er ist der weinerlichste aller Manricos. Überzeugen kann Ildebrando d’Arcangelo als Ferrando, wenn auch er nicht ganz der rhythmischen und klanglichen Verflachung durch die Orchesterbegleitung entweicht. Souverän ist Larissa Diadkovas Interpretation der Acuzena.

Cornelia Wieschalla, 22.08.2002



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