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Giuseppe Verdi

Verdi-Gala - Arien

Plácido Domingo, José Carreras, José Cura, Barbara Frittoli, Ruggero Raimondi u.a., Orchester des Maggio Musicale Florenz, Zubin Mehta

TDK DV-GGDV
(3/2001) 2 DVDs, Dolby digital, DTS, PCM-Stereo; PAL 16:9

Für die nötige Begeisterung bei diesem Opern-Großereignis anlässlich Verdis 100. Todestages sorgt Zubin Metha mit gepflegtem Klang und großem Engagement. Seine Tempi sind im ersten Teil jedoch oft zu langsam, das Orchester ist manchmal zu laut. Zur Ausstattung der DVDs gehört eine Foto-Show von den Proben. Die chronologisch geordneten Auszüge aus Verdi-Opern werden von den Sängern durch unterhaltsame Einleitungen kommentiert.
Das größte Problem für Verdi sind heute die Tenöre. Marcelo Álvarez und José Cura illustrieren das stilistische und technische Desaster: Cura mit Gebrüll und Intonationsproblemen, Álvarez mit Glätte und mangelnder Atemstütze. So können José Carreras und Plácido Domingo den beiden jungen Tenören leichtfüßig den Rang ablaufen, obwohl Carreras' Höhe nur noch vorsichtig im Falsett anspricht.
Anders die Situation der Soprane und Mezzosoprane: Elisabete Matos gibt eine ausdrucksvolle Amelia ("Ein Maskenball") und Gulnara ("Der Korsar"). Gloria Scalchi ist eine dramatisch begabte Azucena ("Der Troubadour"). Das Cantabile "Ai nostri monti ritorneremo" innerhalb des Finales ist kaum je mit vollerem Ton und musikalischer gesungen worden.
Mariella Devias "È strano ... Ah fors'è lui" ("La Traviata") ist zwar stimmlich sicher, aber wenig inspiriert und idiomatisch. Barbara Frittolis "Ritorna vincitor" ("Aida") ist bei aller Stimmschönheit zu lyrisch. Allein Daniela Dessìs "Ave Maria, piena di grazia" ("Otello") ist vollkommen überzeugend, wenn auch ihr sehr tiefer Ausschnitt im Kontrast zum frommen Inhalt ihres Gesangs steht.
Überwältigend ist Ruggero Raimondi mit König Philipps Arie "Ella giammai m'amò" ("Don Carlos"). Sogar das Orchester wird plötzlich sensibler und zur Evokation eines Interieurs fähig. Die durchnächtigte Ernüchterung, den illusionslosen wie würdevollen Zusammenbruch eines einsamen Tyrannen bringt Raimondi zu einer zeitlosen Präsenz, die über dramatisches Singen hinausgeht. Seine Stimme hat zudem über die Jahre immer noch gewonnen: sie ist vollkommen fokussiert mit einer breiten, aber klar definierten Resonanz und den Farben eines großen Künstlers - eine Lehrstunde für alle Sänger, die Ohren haben, und eine Sternstunde der Verdi-Interpretation.

Cornelia Wieschalla, 21.03.2002



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