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Johann Sebastian Bach

Italienisches Konzert, Inventionen u.a.

Martin Stadtfeld

Sony CD 93 536
(80 Min., 8/2004) 1 CD

Das Echo über seine packende und hörbar eigene Interpretation von Bachs Goldberg-Variationen war gerade noch am Anschwellen, da saß der 23-jährige Martin Stadtfeld schon wieder im Studio. Die CD mit dem Titel "Bach Pur", die im August entstand, dürfte den Nachhall seines ungewöhnlichen Debüts nicht nur verlängern. Denn wenn auch die Auswahl der Stücke nicht den Nimbus der Goldberg-Variationen erreicht, hat Stadtfeld hier rein musikalisch betrachtet keine geringeren Herausforderungen angepackt. Während das allgegenwärtige "Italienische Konzert" und die von Busoni arrangierte Choralbearbeitungen fast jedem Laienhörer bekannt sind, hören zumindest Klavierschüler bei den dreistimmigen und den auf einer eigenen "Bonus-CD" versammelten zweistimmigen Inventionen buchstäblich alles. Am stärksten bewährt sich Stadtfelds charakteristische Art, Bach zu interpretieren, bei den Folgen der knappen und enzyklopädisch gereihten Inventionen, doch auch die Form der Suite kommt seinem Hang zum Experiment im Zyklus nahe. Subtil und (im Gegensatz zum schwelenden Wahnsinn des heimlichen Vorbilds Goulds) entspannt dosiert wirken die unterschiedlichen technischen Fragestellungen, die sich Stadtfeld für jede der kurzen Kompositionsstudien vorlegt. Fast immer sind seine Staccatofiguren, die er unterschiedlichen historischen Instrumenten abgelauscht zu haben scheint, maßgeschneidert für die gerade vorliegende Invention. Mal gönnt sich der Pianist das Spiel mit leichtesten Tempoverzögerungen und Beschleunigungen, mal zeigt er bloß, dass man Sopran und Bass effektvoll vertauschen kann, dann scheint es sein Ziel zu sein, mit schnellstmöglichem Spiel und elegantem Anschlag bis dicht an die Grenze zum Gehetzten vorzudringen, ohne sie zu überschreiten. Mit der ausgestellten Technik und der Neigung, emotionale Gesten eher zu untertreiben, verhüllt Stadtfeld die besonders im singenden Anschlag liegende Sinnlichkeit seines Spiels auf geschickte Art und Weise nur halb. Lediglich in den schon bei vordergründigem Spiel virtuos wirkenden Stücken wie dem dritten Satz des "Italienischen Konzerts" scheint die Seele den Fingern doch nicht nachzukommen. Aber pianistische Dauerbrenner in Serie ganz neu beleuchten, das kann und muss auch ein Senkrechtstarter wie Martin Stadtfeld nicht.

Carsten Niemann, 18.12.2004



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