Robert Schumann, Frédéric Chopin, Franz Liszt, Sergei Rachmaninow u.a.

Werke für Klavier

Shura Cherkassky

Nimbus/Naxos NI 1733
(457 Min., 1981 - 1987) 6 CDs

Chopin und der Humor? Der polnische Melancholiker als Apologet des geistreich-verspielten Witzes? Nein. Wo man auch hinschaut im Œuvre des bedeutsamen Romantikers, es findet sich keinerlei Hinweis auf eine solch kühne These. Doch, halt, ein Werk gibt es. Eines, das nur wenige überhaupt kennen. Chopins Opus Nummer zwo, kurz nach dem etwas behäbig durch die Welt wankenden Rondos mit der Opuszahl eins - die Variationen über Mozarts Don Giovanni-Schlager "Là, ci darem la mano", zu deutsch etwa: "Dort werden wir und die Hand reichen". Wie man das mit Charme und Keckheit zugleich darstellt, das zeigt uns der in Odessa geborene und früh in die Vereinigten Staaten emigrierte Pianist Shura Cherkassky, ohnehin einer der aufregendsten Chopin-Interpreten aller Zeiten. Schlicht grandios, wie der Hofmann-Schüler die buffoneske Brillanz dieses klavieristischen Kleinods herauskitzelt, wie er zwischen donnerndem Pathos und bübischer Verführungskunst changiert.
Auch sonst bieten die mehr als sieben Stunden Musik, die auf dieser Kompilation präsentiert werden (als eine Art Cherkassky-Hommage) reichlich Gelegenheit zur Bewunderung, zum Staunen. Da sind zum einen die Schlüsselwerke des 19. und 20. Jahrhunderts, die H-Moll-Sonaten von Liszt und Chopin, Schumanns "Symphonische Etüden", Strawinskys "Pétrouchka" oder auch die "Corelli-Variationen" von Rachmaninow und das weithin unterschätzte Opus "Prélude, Choral et Fugue" von Franck. Cherkasskys Zugriff auf diese pianistischen Extremherausforderungen ist von einer Grandezza, Spiellaune, vor allem von einer musikalischen Intensität und (bisweilen brachialen) Unbedingtheit, wie man sie heutzutage kaum mehr findet. Mit einem Wort: Es ist meisterlich.

Tom Persich, 27.03.2004



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