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Robert Schumann

Klavierkonzerte in a-Moll, b-Moll

Daniel Barenboim, Münchner Philharmoniker, Sergiu Celibidache

EMI Classics 7 24355 74172 1
(72 Min., 7/1991, 10/1991) 1 CD

Eigentlich ein Wunder: da passen das Schumann- und Tschaikowsky-Klavierkonzert (natürlich das erste) unter Celibidaches Dirigat auf eine einzige CD! Schon dies zeigt, dass sich die berüchtigten Tempodehnungen des ehemaligen Münchener Pultmagnaten hier in Grenzen halten, auch wenn dieser Tschaikowsky mit knapp 40 Minuten die Raserei einer Argerich (unter Kondraschin) oder eines Horowitz (unter Toscanini) doch um 8 Minuten überdauert. Auch wenn diese beiden Aufnahmen meine Favoriten bleiben, da sie den russischen Doppeloktaven-Donner wirklich als hinreissenden Furor exerzieren, so hat Celibidaches Exegese doch auch ihre Meriten. Sie liegen in den dynamischen Extremen: soviel pianissimo-Kultur und soviel fulminante Tutti-Vehemenz in einem wird sonst kaum geboten.
Beides gilt auch und gerade für Barenboims Klavierspiel. Man staunt nicht nur über die (altbewährte) Virtuosität des inzwischen meist als Dirigenten tätigen Wahl-Berliners; man hört auch nahezu durchgängig an seinem schattierungsreichen Spiel, wieviel hier gedacht, gearbeitet und auch gegen den mainstream musiziert wurde. So stolpert der Hörer im scheinbar Allbekannten plötzlich über manche luzide ausgearbeitete rhythmische Floskel. Celibidaches überaus sorgfältiges Dirigat, das sonst vernachlässigte Nebenstimmen hervorleuchten lässt und an dynamischem Raffinement kaum zu überbieten ist, tut da ein Übriges.
In Schumanns sehnsuchtsvollem, poetisch-epischem Werk treten diese Tugenden beider noch deutlicher hervor. Ein wunderbar zartes Gespinst der Stimmen ist da über weite Strecken zu goutieren, so dass man nahezu von einer Referenzeinspielung des genuin romantischen Geniewerkes sprechen muss. Dies trotz kleinerer Koordinationsprobleme zwischen Solist und Orchester, wobei - wen wundert's ?- Celibdache derjenige ist, der zu bremsen versucht.

Christoph Braun, 19.01.2003



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