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N° 1237
22. - 28.01.2022

nächste Aktualisierung
am 29.01.2022



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Peter Iljitsch Tschaikowski

Streichquartette Nr. 1 und 3

St.-Lawrence-Quartett

EMI 5 57144 2
(70 Min., 4/2001) 1 CD

Es ist verblüffend, mit wie wenig interpretatorischem Vermögen jemand ein gefeierter Pianist werden kann. Nicht minder verblüffend ist, dass Streichquartette immer wie selbstverständlich tatsächlich in der ersten Klasse der Quartettliga spielen. So etwa das St.-Lawrence-Quartett, 1989 in Toronto gegründet, 1999 mit den Schumann-Quartetten auf CD debütierend und sogleich gefeiert (siehe Rezension), nun mit den Tschaikowski-Quartetten 1 und 3 den ersten Erfolg bewundernswert bestätigend.
Hier gewinnt selbst das oftmals als frühe Fingerübung ebenso bestaunte wie leicht belächelte erste Streichquartett op. 11 den vom langsamen Satz her bestimmten schwebend-melancholischen Grundton, in den auch die herberen Momente immer wieder münden. Das gelingt durch unverzärtelte Intensität, mit der Klangteppiche ausgebreitet werden, ohne in emotionalen Schwulst zu versinken. Alles bleibt in metrischer Festigkeit gesichert.
Und das schon im ersten Quartett deutlich werdende sensible Stimmungschangieren wird um so wirkungsvoller im gewichtigeren dritten Quartett. Was hier an Differenzierungsfähigkeit zwischen Melancholie und scheuer Freude, zwischen Versponnenheit und Verwühltheit oft nur durch ausdrucksorientiertes Vibrato erreicht wird, das ist großartig. Das dichtgeknüpfte Klanggewebe bleibt durchsichtig, ohne dass Einzelfäden aufgedröselt würden.
Verständlich wird aber auch, dass ein Komponist mit diesem Werk seine kammermusikalischen Möglichkeiten an eine Grenze gekommen fühlte. Eine von größter innerer Spannung und vorwärtsdrängendem Impetus bestimmte Interpretation macht dies mit trefflicher Klangdisziplin deutlich. Was für ein kluges, engagiertes Ensemble in einer auch aufnahmetechnischen Meisterleistung.

Alfred Kornemann, 03.01.2002



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