home

N° 1223
16. - 22.10.2021

nächste Aktualisierung
am 23.10.2021



Responsive image
Peter Iljitsch Tschaikowski

Die Sinfonien

Russisches Nationalorchester, Mikhail Pletnev

Deutsche Grammophon 449 967-2
5 CDs

Das nenne ich Zielstrebigkeit: In sechs Jahren hat Mikhail Pletnjew, vormals einer der Vorzeigepianisten der russischen Klavierschule, den Wechsel von der Klaviatur zum Taktstock so konsequent durchgezogen, dass er und das 1990 von ihm gegründete Russische Nationalorchester jetzt sogar in die erste Reihe der Gelbetikett-Stars vorgerückt sind. Tschaikowskis gewaltiges sinfonisches Werk soll nun diese neue Starrolle bekräftigen, und in puncto Präzision, rhythmische Prägnanz und klangliche Homogenität muss man dem ehrgeizigen Sibirier exzellente Aufbauarbeit bescheinigen.
Weniger bezwingend ist dagegen die musikalisch-künstlerische Ausbeute des Unternehmens: Denn der äußerst akribisch zu Werke gehende, kühle Präzisionsfanatiker will offenbar nicht zur Kenntnis nehmen, dass er es mit einem lebendigen, atmenden Klangkörper zu tun hat. Er setzt auf militärische Disziplin, Ordnung und Drill, auf alte sowjetische Tugenden, und gefällt sich als Virtuose auf dem großen Orchester-Flügel. Die Tempi sind metronomisch und sehr flott (mit einem Hang zur demonstrativen Rekordsucht wie im Scherzo der Sechsten), aber der Klang ist grau, steril, unbelebt und eindimensional, und lässt kaum etwas durch von dem Überfluss an Seelenenergie, Schmerz, Leidenschaft und Grandiosität. Tschaikowskis Psychodramen bleiben eingeschweißt, eingefroren im Eispanzer einer sibirischen Winternacht, eiskalt — und ohne jedes Geheimnis.

Attila Csampai, 31.05.1996



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Der Beginn ist bekanntlich eine sehr delikate Phase. Womit also fängt man an, als junges Klaviertrio, die ersten Schritte machend auf dem diskografischen Karriereweg? Das Silver Trio hat für sein Album-Debüt Beethoven, Rachmaninow und Bernstein ausgewählt. Eine durchaus merkwürdige Kombination, nicht weil man Musik verschiedener Epochen nicht auf einer CD vereinen dürfe – ganz im Gegenteil, so machen es viele Ensembles teils mit großem Erfolg. Da einem aber irgendwie keine Verbindung […] mehr


Abo

Top