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Peter Iljitsch Tschaikowski

Klavierkonzerte Nr. 2 und 3

Arkadij Sewidow, Russische Philharmoniker, Samuel Friedmann

Arte Nova/BMG 74321 65429 2
(79 Min., 6/1998) 1 CD

Zähes Tempo, ein ruppig tönendes Klavier, ein stellenweise unbeschreibliches Klangbild mit blechernen Störgeräuschen (als seien unter dem Instrument Metallplatten gelagert) - welche Vorlage für einen Verriss, dachte ich zuerst. Doch dann hörte ich mich weiter voran in den fast halbstündigen Kopfsatz und wunderte mich mehr und mehr.
Zwar ist diese Version der Tschaikowski-Konzerte, verglichen mit der schneidigen Attacke Bernd Glemsers (Naxos) pianistisch unattraktiver, aber sie reflektiert die Bedächtigkeits-Wende, die Andrej Hoteev mit seinem angeblich revidierten Tschaikowski-Bild einleitete, auf eine hochgradig exzentrische Weise. Schon Hoteev hatte versucht, die Wucht der Akkordballungen zu poetisieren, die Überlast des Satzes auf humanes Format zu stutzen. Das misslang. Arkadij Sewidow aber, der lange über der Partitur gegrübelt haben muss, verbreitert nicht bloß - er wird zum Archäologen, sucht nach verborgenen Motivsplittern, meißelt auch dort noch eine Nebenstimme aus, wo ein herrlich entfesselter Gilels früher nur so hindurchgetobt war.
Im Seitengedanken, wo sich jeder "normale" Interpret freut, nach dem Gedonner endlich ein leise-sangliches Thema vorzufinden, führt Sewidow trocken den imitatorischen Zug des Gebildes vor. Und dieses Mittel erweist sich dann in der Durchführung als so tragend, dass man auf eine vernachlässigte formale Schicht des Stückes gewiesen wird. So bizarr und spröde es wirken mag, wie Sewidow den Solopart durchkämmt, dieser Wahnsinn hat Methode.

Matthias Kornemann, 31.01.2000



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