Responsive image
Robert Schumann, Frédéric Chopin

Klavierkonzert, Klavierkonzert Nr. 2

Alfred Cortot, London Philharmonic Orchestra, Landon Ronald, John Barbirolli

Naxos 8.110612
(60 Min., 10/1934, 7/1935) 1 CD

Die legendären Virtuosen der Schallplatten-Frühzeit kannten keinen äußerlichen Perfektionsdrang, dafür hatten sie was zu sagen. Das ist bei diesen Aufnahmen deutlich zu erleben. Für den französischen Pianisten Alfred Cortot (1877-1962) waren die Konzerte von Schumann und Chopin historisch so nahe wie Stockhausens Frühwerke für uns. Man merkt, dass Cortot vollends eins ist mit dem künstlerischen Phänomen, das wir heute "romantisches Virtuosentum" nennen.
Nicht nur Cortot greift (bei Schumann) manchmal krass daneben, auch das Orchester leistet sich so manchen Schnitzer - wie zum Beispiel im selben Konzert der erste Hornist - und das, obwohl es sich um Studioaufnahmen handelt. Trotzdem ist die Darbietung außergewöhnlich: Starke Ritardandi begrenzen die Formteile im ersten Satz des Schumann-Konzertes und lassen das Stück als Ansammlung kleiner, fast dahinimprovisierter Episoden erscheinen. Das aberwitzige Tempo des Finales rückt den Mittelsatz zu einer verhältnismäßig knappen Überleitung herab - man ahnt, warum Schumann ihn "Intermezzo" genannt hat.
Cortot hat sich bei dem Chopin-Schüler Emile Decombes unterweisen lassen; deswegen ist die Einspielung des zweiten Chopin-Konzertes besonders interessant. Cortot, der auch Gesang studierte und als Dirigent Wagners Opern in Frankreich bekannt machte, empfindet Chopins Musik von der deklamatorischen, gesanglichen Seite her - und das ebenfalls in griffigen, aufrüttelnden Tempi und einer gehörigen Portion Pathos. Der Rauschpegel dieser historischen Aufnahmen ist überraschend niedrig.

Oliver Buslau, 01.02.2001



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Es liegt etwas Flirrendes, Sommerliches, ungemein Modernes in der französischen Musik zwischen 1900 und dem Erstem Weltkrieg, ein Aufbruch, der erst recht vollzogen werden konnte, als sich ein paar Komponisten gegen die Übermacht der Tonsprache Richard Wagners zu stemmen begannen. Doch was könnte man einer so perfekt ausgearbeiteten, fließenden Romantik entgegenstellen? Diese Frage führte Claude Debussy und Maurice Ravel dazu, sich im spielerischen Umgang mit der Vergangenheit neue […] mehr »


Top