home

N° 1281
26.11. - 02.12.2022

nächste Aktualisierung
am 03.12.2022



Responsive image
Johann Sebastian Bach, Ferruccio Busoni, György Kurtág

Contrapunctus XIX, Fantasia contrappuntistica, Bach-Transkriptionen

Andreas Grau, Götz Schumacher

Col Legno/helikon harmonia mundi 20106
(65 Min., 06/2001) 1 CD

Die Fantasia Contrappuntistica von Ferruccio Busoni steht hier als Mittelpunkt zwischen dem originalen Bach und György Kurtags Bach-Transkriptionen - ein gewaltiges Werk der Reflexion Bach'scher Fugentechnik, das Busoni selbst in einer Architekturzeichnung formal zu verdeutlichen suchte. Ein Gefühl von Skepsis gegenüber solchen Adaptationen, die sich von Stil- und Themenzitaten nähren und dabei die Bach'sche Klangwelt ganz verlassen und sich stellenweise ins Monströse steigern, wird man wohl nie ganz loswerden. Neben der eher zeitgeschichtlich interessanten Sichtweise des großen Bach-Bearbeiters und Musiktheoretikers Busoni kann man sich, etwas Nervenstärke vorausgesetzt, aber auch auf technisch wie musikalisch interessante Stellen einlassen, nämlich genau die, an denen die Fantasia am wenigsten nach Bach und am ehesten nach Busoni selbst klingt. Der vergleichsweise wohltuend schlichte Contrapunctus XIX aus der "Kunst der Fuge" ist dieser - so Busoni selbst - "Monstre-Fuge" vorangestellt.
Ganz anders dagegen die Bach-Transkriptionen von György Kurtag: Hier mag sich ein unvoreingenommener Hörer immer wieder fragen: Ist es Bach? Doch die Themen sind gestaucht, konzentriert, wie herausgeschnitten und unter einem Vergrößerungsglas betrachtet. Immer wieder gibt es subtile, irritierende Veränderungen der bekannten Choralthemen.
Andreas Grau und Götz Schumacher - in einem kurzen Stück von Kurtag auch unterstützt von Andreas Staier - treten seit mehr als 20 Jahren als Klavierduo auf. Sie haben mit dem vorliegenden Programm nicht nur einen interessanten Rundblick über Bach und zwei seiner Bearbeiter geworfen, sondern auch interpretatorisch eine ebenso unaufdringliche wie musikalische Sichtweise geliefert, die nur beim originalen Bach etwas mehr von der Spielfreude, die bei Busoni durchbricht, vertragen könnte.

Matthias Reisner, 01.01.1970



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.


CD zum Sonntag

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Beim Namen Galilei denkt man sofort an den genialen Mathematiker und Astronomen Galileo Galilei, der mit seiner exakten Messmethodik die modernen Naturwissenschaften maßgeblich mitbegründete. Doch zur Familie Galilei gehörten auch zwei bedeutende Musiker: Galileos Bruder Michelangelo Galilei und der gemeinsame Vater Vincenzo Galilei. Beide waren hervorragende Lautenisten, Vincenzo setzte sich auch intensiv mit den physikalisch-akustischen Grundlagen der Musikproduktion auseinander und […] mehr


Abo

Top