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Robert Schumann

Liederkreis op. 39, Zwölf Gedichte op. 35

Matthias Goerne, Eric Schneider

Decca/Universal 460 797-2
(62 Min., 9/1998) 1 CD

Kann man wirklich ungerührt von der Unheimlichkeit von Schumanns Eichendorff-Liedern bleiben? Man kann, sagt Matthias Goerne. Warum nur überschreitet er in diesen vieldeutigsten Liedschöpfungen Schumanns die Grenze kultivierten Liedgesangs niemals ins ganz und gar Unheimliche, Bodenlose? Ins Gebrochen-Dialogische? Das “Waldgespräch” ist offen dialogisch. Der kühne Reiter im nächtlichen Wald trifft auf die gefährliche Loreley, die männermordende. Schumann hat eine herabziehende, ein Bild geradezu herbeizwingende Modulation komponiert, bevor diese böse Melusine den Rittersmann anspricht. Wenn man sie als Farbwechsel hörbar machen würde. Wieviel Zweideutigkeit liegt dann allein in Loreleys zwischen ehrlicher Warnung und lustvoller Todesdrohung schwankendem Ton.
Diese Zerrissenheiten, Momente, in denen ein geradezu verletzender Schnitt das Gedicht umschlagen lässt, den die Musik zur zartmodulierenden Abbruchlinie mildert, überhören Matthias Goerne und Eric Schneider regelmäßig. Warum weint die Braut im letzten Vers (“Auf einer Burg”)? Wir erfahren nichts. Im Zwielicht dieser Dichtungen wird aus schallender Hochzeitsfreude ein “Schaudern im Herzensgrunde”, hier ist alles brüchig und wandelbar. Doch Goerne bietet seine ganze Kunst auf, jedes Lied-Gebilde behaglich auf einer Tonlage auszubalancieren. Dort ist er dann wahrhaft feinsinnig. Ist mit dieser im Seelisch-Ausdeutenden durchaus kurzsichtigen Könnerschaft das Referenzniveau unserer Zeit erreicht?

Matthias Kornemann, 31.03.1999



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