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Robert Schumann

Kreisleriana, Nachtstücke, Gesänge der Frühe, Geister-Variationen

András Schiff

Teldec/Warner Classics 0630-14566-2
(70 Min., 1/1997) 1 CD

Krampflos aussingend beginnt András Schiff seine zweite Schumann-Platte mit den späten "Gesängen der Frühe", und das berührt, weil er keine abgründigen Klangwirkungen in diesem Werk des Abschieds herbeisucht. Doch schon beim ersten der "Nachtstücke", das ursprünglich immerhin "Leichenfantasie oder Trauerzug" heißen sollte, beginnt schönklingende Lockerheit in Spannungslosigkeit umzuschlagen. Wenn der Trauerzug am Ende über repetierenden Glockenschlägen quasi um eine nächtliche Straßenecke biegt, wird Schiff unmerklich schneller und vergibt alles.
Bei den "Kreisleriana" merkt er wohl, dass auch der stürmische Florestan, bewegt-hetzender Teil der Schumannseele, zu Wort kommen sollte. Innerlich hatte ich schon längst gerufen: "Nun lass es mal krachen, András!" Nun tut er's, und fast ungläubig muss ich hören, dass virtuose Passagen, zum Beispiel am Schluss von Nummer 3 und in Nummer 7, ziemlich schwunglos und mulmig geraten.
Ein Pianist der ersten Liga muss das klarer und feuriger herausbringen. Gewiss, überall begegnen wir Schiffs weicher, singender Leichtigkeit und Transparenz, die bei seinem Bach hinreißend ist, aber wir sind spannungsvollere Aufnahmen von ihm gewohnt.

Matthias Kornemann, 28.02.1998



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