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Gonna Go Fishin'

Jenny Evans

Enja/Edel Contraire 0 63757 94032 6
(57 Min., 3/2000) 1 CD

Jenny Evans' drittes Enja-Album bestätigt ihren Rang als Deutschlands derzeit führende Jazzsängerin. Die britische Schauspielschülerin hat einst das Studium der deutschen Sprache nach München verschlagen - der Liebe verdanken wir, dass sie uns seitdem erhalten blieb: Ihr Mann, der Schlagzeuger Rudi Martini, steuert bis heute ihre künstlerischen Geschicke.
Das heißt nicht unbedingt, dass sein Trio auch auf ihren Aufnahmen zu hören sein muss: Für zwei Märzabende in Münchens einzigem beständigen und international renommiertem Jazzclub "Unterfahrt" scharte Jenny Evans ein swingendes Quintett um sich: der auf Wes Montgomerys Spuren wandelnde Peter O'Mara, der stets überzeugende Tastenmann Walter Lang sowie Ingmar Heller (Bass), Guido May (Schlagzeug) und der Perkussionist Biboul Darouiche.
Überhaupt war für rhythmische Abwechslung gesorgt, denn die Evans geht mit ihren süffigen, aus voller Brust gestalteten Interpretationen weit über die Stilgrenzen der üblichen Standards aus der ersten Jahrhunderthälfte hinaus, die gleichwohl den Kern ihres Repertoires bilden.
Das Titelstück ist ein von Peggy Lee betexteter, später Ellington, dazu gibt es die selten gehörte Vokalfassung von Oliver Nelsons Klassiker "Stolen Moments" und vier aktuelle Stücke: ein sehr eingängiges vom Gitarristen Karl Ratzer, zwei anspruchsvolle, von Jenny Evans mit Text versehene Dusko-Goykovich-Melodien und eine reichlich exotische Nummer von Rabih Abou-Khalil, in der es O'Mara gelingt, seine Gitarre wie eine Oud klingen zu lassen.
Doch die eigentliche Überraschung für diejenigen, die Jenny Evans noch nicht im Konzert erlebt haben (und damit einiges verpassten), kommt aus noch entlegenerer Ecke: "Für eine Nacht voller Seligkeit" aus der Feder des Schlagerkomponisten Peter Kreuder bremst Jenny Evans auf langsames Balladentempo herunter. Ihr lasziv-selbstbewusster Sexappeal (endlich einmal keine Kindfrau mit Piepsstimme!) steht kaum hinter Eartha Kitt zurück, die uns einst mit "Johnny, wenn du Geburtstag hast" dahinschmelzen ließ.

Mátyás Kiss, 01.02.2001



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