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Solitaire

Uri Caine

Winter Winter/Edel Contraire 910 075-2
(68 Min., 11/2000) 1 CD

Als erfindungsreich-respektloser Bearbeiter klassischer Komponisten - von Bach über Schumann bis Mahler - hat sich Uri Caine in letzter Zeit einiges Renommee erworben. Es macht neugierig, was er als "herkömmlicher" Jazzmusiker zu leisten vermag. Ob er zu diesem Zweck gleich drei CDs auf einen Schlag veröffentlichen musste, will ich dahin gestellt sein lassen; werfen wir einen Blick auf Caine als Solopianisten, mithin auf das Album "Solitaire".
Dass er kein Originalgenie, sondern eher ein findiger Eklektiker ist, belegen seine bisherigen Arbeiten. Aber wieso geht es deswegen gleich so misstönend und freudlos zu? Ein Jaki Byard hatte zwar auch die ganze Geschichte des Jazzklaviers unter den Fingern, aber der Stilmix hat ihm und seinen Hörern noch Spaß gemacht und war auf seine Weise wiederum einzigartig, nämlich postmodern - Jahrzehnte, bevor der Begriff aufkam.
Uri Caine hat neben klassischen Neutönern auch Cecil Taylor gelauscht, aber sein Furor richtet sich mit sadomasochistischer Häme auf den stahlharten Anschlag und die nicht aufgelöste Dissonanz. Von Taylors Drang nach Transzendenz und der dafür aufgewendeten, geballten Energie bleibt hier nur die Aggressivität.
Caine kann recht beeindruckend Klavier spielen, das steht hier nicht zur Debatte. Aber wofür verwendet er diese Fähigkeit? Um wortreich Selbstgespräche zu führen - oder um uns etwas mitzuteilen? Mir jedenfalls hat er nichts zu sagen, und so ist mir der Appetit auf die beiden anderen CDs gründlich vergangen.

Mátyás Kiss, 22.11.2001



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