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Georg Philipp Telemann

Matthäus-Passion

Wilfried Jochens, Klaus Mertens u.a., Rheinische Kantorei, Das Kleine Konzert, Hermann Max

Capriccio/EMI 10 854
(75 Min., 9/1998) 1 CD

Im Urteil der Nachwelt ist Bach um einiges besser weggekommen als Telemann. Zu Lebzeiten der beiden war das umgekehrt. Diese Einspielung der Matthäus-Passion Telemanns belegt vielleicht auch, warum: Sie mutet dem Hörer nicht gar so viel zu. So ist Telemanns Version mit einer Stunde erheblich kürzer als Bachs Vertonung. Ihre empfindsame, von der französischen Oper inspirierte Diktion hält das Geschehen im Fluss: Musik, die uns in ihrer Geheimnislosigkeit vielleicht nicht den Horizont des Ewigen öffnet, aber immerhin eine spannende Geschichte zu erzählen trachtet.
Hermann Max und das Kleine Konzert musizieren das treffsicher aus, können dabei auf charakteristisch besetzte Solisten (allen voran der hervorragende Wilfried Jochens als Evangelist) zurückgreifen. Nur mit einer Aufgabe war Telemann wirklich überfordert: die Turba-Chöre, also die musikalische Verkörperung der aufgeregten Volksmenge, mit der nötigen Eindringlichkeit auszugestalten. “Aufruhr / Aufruhr / Aufruhr” ruft das Volk bei der Verhaftung Jesu und betont die erste Silbe derart aufreizend, dass man eher den Eindruck eines in Aufregung geratenen Kaffeekränzchens bekommt. Für die Ungeheuerlichkeiten des biblischen Berichts war Telemann dann vielleicht doch ein zu wohlerzogener Tonsetzer.

Stefan Heßbrüggen, 31.03.1999



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