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Gioachino Rossini

Il barbiere di Siviglia

Elīna Garanča, Lawrence Brownlee, Nathan Gunn, Bruno de Simone, Münchner Rundfunkorchester, Miguel Gómez Martinez

Sony BMG 82876 80429-2
(152 Min., 5/2005) 2 CDs

"Ogni riccio un capriccio" - "Jede Locke eine Laune": So, wie die Italiener reimend eine kokette Frau beschreiben, genau so wünscht man sich die Rosina aus dem "Barbiere di Siviglia". Auf der jüngsten Aufnahme des Buffo-Dauerbrenners entpuppt sich Elīna Garanča allerdings, obgleich blond und naturgewellt, als ziemliche Spaßbremse. Ihre Technik ist beeindruckend, die Koloraturen kommen mühelos; nur Humor hat Rossinis mündiges Mündel bei der Lettin nicht. So ernst- und gewissenhaft liefert sie ihre Töne ab, als ging es darum, eine partiturgetreue Lesart nach musikwissenschaftlichen Standards zu präsentieren. Zudem hat ihr viel gelobter Mezzosopran eigentlich eine zu dunkle Färbung für diese leichte Rolle: Wo man sich prickelnden Prosecco wünschte, serviert Garanča schwerblütigen Barolo, vor allem in den Rezitativen klingt manches gar schon ältlich-matronenhaft. Leider lässt fast die gesamte hoch mögende Solistenriege jene ausgebuffte Lockerheit vermissen, mit der man die angejahrte Handlung zur heutig-witzigen Screwballcomedy machen kann. Da mag Miguel Gómez Martinez mit dem Münchner Rundfunkorchester noch so drahtig begleiten, allein Kristinn Sigmundsson als Don Basilio greift lustvoll in die Komödianten-Trickkiste - und lässt damit seine Mitspieler noch seriöser wirken: den flinkzüngigen Nathan Gunn als Figaro, den wie mit abgespreiztem Zeigefinger herumstolzierenden Lawrence Brownlee als Almaviva und vor allem den viel zu weltmännischen Bartolo des Bruno di Simone.

Frederik Hanssen, 30.06.2006



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