Von Sevilla keine Spur. Stattdessen: Dünen, so weit das Auge reicht. Wüste. Darinnen ein lächerlicher Beduinenchor, der albern im Rhythmus der Musik hüpft. So beginnt Rossinis "Il barbiere di Siviglia" in Coline Serreaus Inszenierung an der Bastille. Von rechts schiebt sich ein maurischer Palast ins Bild, hier residiert Bartolo und wacht mehr oder weniger erfolgreich über Rosina. Wir sind bei den Muselmanen. Eher bei "Der Barbier von Bagdad". Überladenes Ausstattungstheater spätestens dann, wenn wir für "Una voce poco fa" ins Innere des Palastes gelangen. Erst fürs Finale verschwindet dieses orientalische Zuckerbäcker-Ungetüm wieder und entlässt das glückliche Paar in die Wüste, in der nun vor unseren Augen - oh Macht der Liebe! - Palmen aus dem Sand sprießen und die leblose Einöde in einen Garten Eden verwandeln. Hübsch? Peinlich? Hübsch peinlich. Komödie ohne Witz.
Natürlich kann die Opera National de Paris mit einer bemerkenswerten Sängerriege aufwarten. Es sind zwar nicht die allerersten Namen, die uns bei der Besetzung der Partien einfallen, aber Joyce DiDonato, Roberto Sacca und Dalibor Jenis können als Rosina, Almaviva und Figaro durchweg überzeugen. Die Häkchen gibt's in diesem Fall ohnehin nur für die musikalische Seite.

Jochen Breiholz, 02.06.2006



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Ein paar vorgegebene Noten, aber auch viel frei Improvisiertes – fast wie im Jazz. Beschrieb Nils Mönkemeyer seinen neuen diskografischen Ausflug nach Italien jüngst im Radio. Und ja, wer sich etwa erinnert, was Patricia Kopatchinskaja dem Konzerte wie am Fließband produzierenden Antonio Vivaldi unlängst auf der Geige andichtete – zugeben deutlich radikaler, als Mönkemeyer hier vorgeht – fühlt sich darin bestätigt. Es gibt Spielraum. Nun ist Mönkemeyer Bratscher, begegnet also […] mehr »


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