Fünf Operneinakter ("Farse"), von "La cambiale di matrimonio" bis "Il Signor Bruschino", schrieb Rossini binnen 15 Monaten, zwischen Ende 1810 und Anfang 1813, für das winzige Teatro San Moisè in Venedig. Erste Startversuche des kaum oder gerade erst Zwanzigjährigen in der großen Opernwelt. Ob seiner Beschlagenheit im "gelehrten" Kontrapunkt wurde er bereits als "il tedeschino" ("der kleine Deutsche") bewundert. In der Lagunenstadt qualifizierte er sich auf Anhieb als sachkundiger Erbe der älteren Opera buffa, zugleich als Prophet einer romantisch-tragisch angehauchten Donizetti-Melancholie. Das Label Claves Records hat um 1990 diese Talentbeweise des künftigen Operngottes im Fünferpack produziert, mit einem weitgehend konstanten Ensemble, dem damals kaum bekannte Anwärter auf höheren Sängerruhm angehörten und das vom seinerzeit in Bremen und beim Saarländischen Rundfunk tätigen Marcello Viotti (dem heutigen Musikchef des Teatro La Fenice) geleitet wurde: unaufdringlich, aber kompetent. Eine CD-Edition, die später von der einen oder anderen Einzelaufnahme - weil prominenter und spektakulärer besetzt - übertrumpft werden konnte, die aber schon bei ihrem ersten Erscheinen das Prädikat "künstlerisch und pädagogisch wertvoll" hätte beanspruchen dürfen und die jetzt rechtens eine preiswerte Neuauflage erlebt.

Karl Dietrich Gräwe, 29.01.2005



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Es generierte durchaus Schlagzeilen, als der Musikwissenschaftler Timo Juoko Herrmann vor gut vier Jahren eine bisher unentdeckte, womöglich gemeinschaftlich entstandene Komposition von Wolfgang Amadeus Mozart, Antonio Salieri und einem gewissen Cornetti im Prager Nationalmuseum wiederentdeckte – es handelte sich um die Kantate zur Genesung der Sängerin Nancy Storace „Per la ricuperata salute di Ofelia“ KV 477a auf ein Libretto von Lorenzo da Ponte. Dass sie ausgerechnet Timo Juoko […] mehr »


Top