Nein, eine Gala ist dies gewiss nicht. Und sieht man einmal von dem Ewigen Licht Thomas Hampson ab, der auch als Barbier wieder ein Musterbild an stimmlicher Beweglichkeit und sprechendem Ausdruck abgibt, so muss man sich bis zum Ende immer wieder fragen, warum dieser zehn Jahre alte, vom Publikum her sehr lebendige Konzert-Mitschnitt jetzt veröffentlicht wurde.
Ob man den großen Namen vertraute? Marilyn Horne, Frederica von Stade, Chris Merritt, Rockwell Blake, Samuel Ramey? Oder ob man auf Roger Norrington setzte, der als Dirigent noch immer (und sicherlich zu Recht) Käufer "zieht"? Zugegeben: Das Orchester spielt sehr durchsichtig, oft ungemein feingliedrig, und manches instrumentale Detail, das Norrington aus dem Ganzen herausgemeißelt hat, ist ebenso ungewohnt wie wunderschön anzuhören.
Dass die Balance zwischen Orchester und Sängern oft nicht hundertprozentig stimmt, ist hingegen nur deshalb verzeihlich, weil es manchen Sängern nur gut tut, wenn sie nicht allzu sehr in den Vordergrund rücken. So kranken die Vorträge von Marilyn Horne und Deborah Voigt an Verengungen und Schärfen in der Höhe; Chris Merritt hat die Ausdifferenzierung der Dynamik nicht im Griff und klingt oft belegt, und Rockwell Blakes Darstellung atmet vor allem Mühe und Arbeit und Schweiß. Kathleen Kuhlmann neigt zu Verfärbungen, und wenn sie das "Agnus Dei" aus der Messe Solennelle singt, wirkt auch der rhythmische Puls des begleitenden Orchesters nicht mehr besonders verlässlich.
Diese Gala glänzt nicht. Zu ihr passen weniger das kleine Schwarze und Champagner als Jeans und Asti Spumante.

Susanne Benda, 25.07.2002



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