Rossinis “dramma giocoso” hat gut hundertachtzig Jahre nach seiner Entstehung nichts von seinem Charme, seiner unwiderstehlichen Wirkung eingebüßt und rangiert in der Statistik der Rossini-Diskografie an dritter Stelle. Auch wenn es aus Repertoiregründen vielleicht sinnvoller gewesen wäre, eine unbekannte Oper Rossinis oder gar Donizettis aufzunehmen, so ist doch diese Neuproduktion durchaus als gelungen zu bezeichnen. Bereits in aufnahmetechnischer Hinsicht hat sie ihre Meriten: Die Stimmen sind präsent genug, ohne eng zu wirken, während der Orchesterklang eine gewisse Räumlichkeit aufweist, ohne zu verschwimmen.
Ein echtes Gespür für den Rossinistil lässt Jesús López Cobos erkennen; mit dem Kammerorchester Lausanne erzielt er einen schlanken, federnden Klang und eine beeindruckende Präzision, was das Hören ebenso zu einem wahren Vergnügen macht wie die Homogenität der Sängerbesetzung. Nicht nur verfügen alle über die erforderliche stimmliche Flexibilität, ihnen ist auch die Lust am vokalen Agieren anzumerken, ohne dass sie der naheliegenden Gefahr des Chargierens erliegen würden.
Hervorzuheben sind Jennifer Larmore, die ihre stupende Koloraturtechnik und klangfarbliche Vielfalt zu einem funkelnden Porträt in Tönen zu nutzen weiß, sowie Raúl Giménez; vermag er in der Cavatina des ersten Aktes vielleicht nicht ganz zu überzeugen, so gelingt es ihm doch, im Verlaufe der Aufnahme seinen Rang als einen der profiliertesten Rossinitenöre zu bestätigen.

Norbert Christen, 31.03.1998



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Heute auf den Tag genau, am 26. Januar, wäre sie 75 Jahre alt geworden: Jacqueline du Pré, die viel zu früh verstorbene Ausnahmecellistin, Schülerin von Pablo Casals und Mstislaw Rostropowitsch. Legendär ist nicht nur ihre Aufnahme des Cellokonzerts von Edward Elgar, nein, das Werk selbst, mittlerweile beliebt im Konzertsaal, erfuhr durch du Pré erst seinen Aufschwung: Die Londoner Uraufführung am 27. Oktober 1919 war zunächst eine große Enttäuschung. Der Dirigent Albert Coates hatte […] mehr »


Top