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Whistle Stop

Kenny Dorham

Blue Note/EMI 5 25646 2
(39 Min., 1/1961) 1 CD

Ich neige dazu, Kenny Dorhams Verdienste als einfallsreicher Hardbop-Trompeter neben seinen etablierten Blue-Note-Kollegen Donald Byrd und Lee Morgan ein wenig zu übersehen - irgendwie scheinen seine Platten unter eigenem Namen weniger präsent zu bleiben als seine Auftritte als Sideman von Charlie Parker, Art Blakey, Max Roach und Joe Henderson.
Inmitten so überaus gelungener Alben wie "Quiet Kenny", "Matador" oder "Una Mas" wirkt gerade "Whistle Stop" wie eine frühe kompositorische Tour de force: Nachdem Dorham zuvor zu einer Reihe anderer Sessions Stücke beigesteuert hatte, schrieb er hier erstmals ein ganzes Album selbst. Interessant sind auch die Sidemen: der wunderbar bluesige Pianist Kenny Drew, das unbestechliche Rhythmusteam Paul Chambers und Philly Joe Jones sowie Hank Mobley, seit den "Café-Bohemia"-Aufnahmen der Jazz Messengers ein idealer Mitarbeiter Dorhams und zwischen 1955 und 1970 Blue Notes Haussaxofonist.
Die himmelstürmende, treffsichere Virtuosität eines Dizzy Gillespie, Fats Navarro oder Clifford Brown darf man von Kenny Dorham nicht erwarten. Er steht eher in der Tradition von Miles Davis und Art Farmer - Trompetern, die durch melodische Erfindungskraft und Ton-Nuancen das Ausdrucksspektrum der Jazztrompete entscheidend bereichert haben. Lester Bowie sollte an die gequetschten und verzogenen Töne Dorhams unmittelbar anknüpfen. Auf einem Album wie diesem, das seinen Hörer nicht überwältigen, sondern nach und nach überzeugen will, lässt sich Dorhams Art besonders schön studieren und genießen.

Mátyás Kiss, 08.02.2001



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