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Amandla

Miles Davis

Atlantic/Warner Jazz 81227 3611-2
(43 Min., 6/1987 - 9/1988) 1 CD

Das letzte Jahrzehnt im Leben von Miles Davis kann nun mit einigem Abstand neu bewertet werden. Während die letzten Columbia-Aufnahmen weder bei den Kritikern noch bei den Käufern gut ankamen, waren "Tutu" (1986) und "Amandla" (1989), die er für sein neues Label Warner Bros. realisierte, ein ungeheurer Erfolg - gerade auch bei jungen Hörern. Jetzt war Miles auf der Szene so präsent, wie er es seit "Bitches-Brew"-Tagen nicht mehr gewesen war.
Nicht nur hatte er seinen Ansatz wieder (keine leichte Sache, wenn man seine Trompete fünf Jahre lang nicht angerührt hat!), er konnte auch auf neue Musiker zurückgreifen, die seinen Visionen Ausdruck verliehen: Da war zunächst Marcus Miller, der fast alle Stücke schrieb, arrangierte und produzierte, und neben seinem Funk-Bass noch Sopransax, Bassklarinette, Gitarre, Keyboards und Schlagzeug spielte. Er hatte in Tommy LiPuma einen begeisterten Koproduzenten. Und dann trat ihm mit Kenny Garrett noch der neue Stern am Saxofonhimmel zur Seite.
Die geballte kreative Energie dieser vier Personen zusammen lässt es verschmerzen, dass Miles' reguläre Band auf "Amandla" - wie schon auf den vorangegangenen Alben "Tutu" und dem Soundtrack zu "Siesta" (1987, beide ebenfalls mit Marcus Miller) - nicht geschlossen zu hören ist, sondern nur Gastauftritte von Gestalten wie George Duke (auf dessen eigenen "Cobra"), Jean-Paul Bourelly, Joe Sample, Omar Hakim oder Al Foster für den "human touch" sorgen.
Durch sie, vor allem jedoch durch die oft kopierte, aber in ihrer Ausstrahlungskraft nie übertroffene Trompete von Davis waren die vom Synthesizer her entworfenen, immer noch zündenden Stücke trotz ihrer hohen Radiotauglichkeit weit mehr als nur für den raschen Konsum bestimmt. Miles Davis' letztes vollendetes Studioalbum kann man auch im 21. Jahrhundert mit Vergnügen hören.

Mátyás Kiss, 31.10.2002



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