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N° 1259
25.06. - 01.07.2022

nächste Aktualisierung
am 02.07.2022



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Ain’t Misbehavin’

Fats Waller

Dreyfus Jazz reference/Edel Contraire
(63 Min., 3/1929 - 1/1943) 1 CD

Dieses Album der Serie „Jazz reference“ ist eine vergnügliche Zusammenstellung ausgezeichneter Aufnahmen Fats Wallers, die jedem zu empfehlen ist, der Sinn für Humor und mitreißenden Swing hat. Da die Serie prinzipiell eine repräsentative Auswahl mit dem Besten der Besten verspricht, muss ich trotz meines wohligen Glücksgefühls in der Herzgegend kritisch nachhaken.
Zunächst einmal war Waller ein begnadeter Pianist. Als Schüler von Leopold Godowsky hätte er eine klassische Karriere bestreiten können, wäre dies nicht für einen Schwarzen damals nahezu unmöglich gewesen. Mit seinem Lehrmeister James P. Johnson und Willie "The Lion" Smith bildete er die große Trias des Stride-Pianos. Wallers Solo-Aufnahmen müsste man jedem Jazz-Pianisten unters Kopfkissen legen; denn von diesem Timing, diesem Anschlag, dieser Fantasie können die meisten nur träumen. Deshalb ist eine Solo-Aufnahme einfach zu wenig! Allerdings bieten die Combo-Aufnahmen herausragendes Pianospiel. Fats war auch der erste bedeutende Jazz-Organist. Dafür bekommen wir gar kein Beispiel!
Ausgiebig dokumentiert ist hingegen Wallers Talent als Sänger: Was auch immer die Plattenfirmen ihm vorsetzen, sei der Song gut oder schlecht, komisch oder ernst, Waller zog ihn mit seiner Band mit kurzer oder keiner Probe durch - und durch den Kakao. Das Ergebnis waren improvisatorische Juwelen mit erheiterndem Gesang, dem der Mann mit der runden Figur und dem ausdrucksstarken Gesicht oft noch komödiantische Bemerkungen hinzufügte.
Der größte Entertainer der Jazzgeschichte schrieb einige der wichtigsten Songs: "Honeysuckle Rose" und "Ain’t Misbehavin" sind vertreten. Auf "Jitterbug Waltz", den ersten wichtigen Jazzwalzer, und "Black and Blue", der eine antirassistische Botschaft humorvoll verpackt, müssen wir verzichten. Bei voller Ausnutzung der Spielzeit hätten diese Lücken nicht sein müssen.

Marcus A. Woelfle, 07.12.2000



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Eva Jagun stammt aus einer Kölner Musikerfamilie und lernte zunächst Geige, Flöte, Gitarre und Klavier. Ihre ersten Erfahrungen sammelte sie in diversen Chören und Bands, später studierte sie in Hamburg Musik, seit einigen Jahren lebt sie in Berlin.
Dort arbeitet sie als Sängerin wie auch als Geigerin im Studio und auf der Bühne mit einer Vielzahl von Künstlern zusammen, unter anderen mit Nina Hagen oder Dieter Hallervorden. Wichtige Impulse erhielt sie vom kanadischen Jazzbassisten […] mehr


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