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Out Of This Mood

Lyambiko

Nagel Heyer/Edel Contraire 2021
(72 Min., 12/2001) 1 CD

Ich finde es ausgesprochen mutig von einer vollkommen unbekannten Sängerin, ein Standards-Album mit Bernsteins Ballade "Some Other Time" zu beginnen. Die mit einer leicht ansprechenden, aber nicht sehr substanzreichen Stimme ausgestattete Lyambiko trifft zwar zuverlässig die richtigen Töne, aber durch die unschöne Verfärbung mancher Vokale verrät sie nach wenigen Takten, dass sie in einer ihr fremden Zunge singt (wo die Wahl-Berlinerin wirklich herkommt, lässt die CD ebenso im Dunkeln wie die anderen Details ihrer Biografie). Dafür brillieren Marque Lowenthal (Klavier), Robin Draganic (Bass) und Torsten Zwingenberger (Schlagzeug) durch professionelle Begleitkünste.
Nicht jede Sängerin, die in einem Club ihr Publikum angenehm unterhält, muss sich gleich dem internationalen Vergleich stellen. Aber wer wie Lyambiko glaubt, unbedingt Standards auf CD bannen zu müssen, provoziert geradezu, dass die Zuhörer sie an den Auslegungen der größten Jazzsängerinnen messen. Und dann beginnt man, sich nach dem Sinn oder Unsinn dieser Interpretationen zu fragen, die weder schlecht klingen noch geschmacklich missraten sind, aber längst in zahllosen, stimmlich und sprachlich zwingenderen Versionen vorliegen.
Ein echtes Blues- oder Soulfeeling, wie es "Ain't Got Nothing But The Blues" und der "Work Song" erfordert hätten, bringt Lyambiko nicht zu Stande; sie wird dann allenfalls ordinär - wie eine Patricia Kaas, wenn sie verrucht klingen will. Nach der in der Werbung verheißenen "new school of cool" wird man demzufolge vergeblich suchen.

Mátyás Kiss, 11.07.2002



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