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2Gether

Warren Vaché, Bill Charlap

Nagel-Heyer 6 45347 20112 5
(52 Min., 12/2000) 1 CD

Inniger, verträumter als Warren Vaché und Bill Charlap könnte ein Kornett-Klavier-Duo romantische Standards aus dem „Great American Song Book“ kaum interpretieren. So aufrichtig und geschmackssicher (keine Sentimentalität, keine Virtuosenshow, kein Wettkampf) würden es auch wenige hinbekommen.
Man muss schon eine tiefe innere Bindung zu den Balladen von Gershwin, Porter, Berlin & Co. verspüren, sie nicht einfach nur als beliebiges Material von vorgestern betrachten, um damit heute noch so zu berühren. Im Grunde fällt mir auf diesem Niveau in dieser Stilnische eigentlich nur ein einziger Präzedenzfall ein: die von Ruby Braff und Ellis Larkins vor 45 Jahren eingespielten Duos. Mit ebenso viel dezentem Understatement und raffiniertem Klangsinn, und nur einen kleinen Tick moderner gingen die modernen Traditionalisten Vaché und Charlap in einer Sternstunde ans Werk.
Wirkte Bill Charlaps feine Zurückhaltung auf seinem Trio-Album fast wie ein Handicap, so erscheint sie hier wie ein Höchstmaß an Konzentration und Zärtlichkeit. Der Kornettist und Flügelhornist Warren Vaché – haben wir ihn nicht gestern als „jungen“ Hoffnungsträger des modernen Swing betrachtet – ist jetzt mit fünfzig in einem Alter, das sein Spiel automatisch mit der Fülle von Lebenserfahrung speist, ohne dass sich die bei Trompetern schon relativ früh einsetzenden Altersschwächen bemerkbar machten. Geistesgegenwärtig ist die Zwiesprache von Vaché und Charlap und so intim, dass wir es als persönliche Ehre empfinden, hier zuzuhören und dabei aufpassen, ja kein Geräusch zu machen.

Marcus A. Woelfle, 28.06.2001



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