Responsive image

Pa'lante

Ray Vega Latin Jazz Sextet

Palmetto/Sunnymoon PALM 2079
(57 Min., 10/2001) 1 CD

Wer sich den Genrebegriff "Latin Jazz" auf die Fahnen heftet, ist sich oft gar nicht bewusst, auf welche Gratwanderung er sich damit begibt. Ray Vega, der schon für Größen wie Tito Puente, Mario Bauza, Ray Barretto oder Mongo Santamaria sein Horn geblasen und auch als Perkussionist gewirkt hat, weiß zum Glück, worauf er sich mit seinem "Latin Jazz Sextet" einlässt.
Neigt sich sie Waage zu stark auf die Jazz-Seite, degradiert die Musik das Latin-Element zur bloß äußerlichen Zutat, die ebensogut fortgelassen werden könnte - wie etwa der Conga-Trommler auf vielen Mainstream-Jazzplatten der Fünfziger. Wird dagegen das afro-kubanische Element übermächtig, landen wir bei der Salsa, wo überlaute Blechbläser und ein Wald von Perkussionsinstrumenten einen klingenden Hexenkessel in Wallung bringen. Das erfreut zwar die Tanzwütigen, animiert aber sonst eher zum Weghören.
Ray Vega hält die verschiedenen Elemente seiner Musik in geradezu vorbildlicher Balance - die Komposition, das Arrangement, die Soli, die karibischen Rhythmen. Die Stücke stammen zur Hälfte vom Leader und von Jazzkomponisten, wurden aber für diese Besetzung - ein durch einen Congatrommler verstärktes Bebop-Quintett - so eingerichtet, als wären sie schon immer Latin-Nummern gewesen, was bei Parkers "Yardbird Suite" oder dem ersten Satz aus Coltranes "A Love Supreme" doch einigermaßen überrascht.
Die beiden erfahrenen Bläsersolisten, Ray Vega an Trompete, Kornett und Flügelhorn und Bobby Porcelli am Altsaxofon, liefern ebenso leidenschaftliche wie musikalisch wohlkonstruierte Soli, während ihnen die junge Rhythmusgruppe trotz ihrer sparsamen Ausstattung ordentlich einheizt. "Pa'lante", der Titel dieses dritten Vega-Albums, bedeutet soviel wie "sich vorwärtsbewegen, vorankommen". Daran besteht auf dieser CD wohl kaum ein Mangel.

Mátyás Kiss, 14.03.2002



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Ein paar vorgegebene Noten, aber auch viel frei Improvisiertes – fast wie im Jazz. Beschrieb Nils Mönkemeyer seinen neuen diskografischen Ausflug nach Italien jüngst im Radio. Und ja, wer sich etwa erinnert, was Patricia Kopatchinskaja dem Konzerte wie am Fließband produzierenden Antonio Vivaldi unlängst auf der Geige andichtete – zugeben deutlich radikaler, als Mönkemeyer hier vorgeht – fühlt sich darin bestätigt. Es gibt Spielraum. Nun ist Mönkemeyer Bratscher, begegnet also […] mehr »


Top