Responsive image

call it [em]

Michael Wollny, Eva Kruse, Eric Schaefer

Act/edel contraire 9650-2
(48 Min., 2/2004) 1 CD

Sie sind zu dritt und unter dreißig; kommen aus Berlin. Geschlechterrollen sind ebenso wenig Thema wie die Rollenverteilung in der Band. Postmoderne stilistische Beliebigkeit ist ihnen wahrscheinlich ein verquaster intellektueller Begriff von gestern, und was soll der, angesichts des Erlebens der Gleichzeitigkeit von Techno, Hip-Hop, Rotem Bereich, Rosa Rauschen, Keith Jarrett, Cecil Taylor und der jazzakademischen Ausbildung. Letztere muss hervorragend gewesen sein, denn Michael Wollny am Klavier, Eva Kruse am Bass und Eric Schaefer sind junge Virtuosen auf ihren Instrumenten. Aber nicht nur da, das jugendliche Ungestüm will sich auch immer wieder in vertrackten langgliedrigen Kompositionen ausdrücken. Und so werden die kurzen, gerade noch so unbekümmert frischen Momente risikofreudigen Kollektiv-Interagierens in der Titelfolge zunehmend von langen Kompositionen mit durchgeplanten Abläufen unterbrochen. Interessant, dass ausgerechnet die Titel aus der Feder des Schlagzeugers am meisten für Besinnlichkeit sorgen. Der Beitrag Eva Kruses weist in Richtung e.s.t., und Michael Wollny demonstriert in seinen Beiträgen beides, einmal eine Vorliebe fürs Rhapsodische und ein andermal durchaus Sinn für Reduktion - um aber eisern bei der zu bleiben, kann er einfach zu gut Klavier spielen. Doch ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Ist es wirklich schade, dass, was in den Kollektiven als schräg origineller Stilmix der Gleichzeitigkeit ans Licht drängt, sich dann doch eher als Esbjörn-Svensson-Trio-Sprössling entpuppt? Jedenfalls handelt es sich bei [em] - wohl für "M" wie Musik - um ein höchst erfrischendes Newcomer-Album. Schön, dass man das bei Act auch so sieht und mit ihm den Anfang macht, im eigenen Hause die junge deutsche Szene zu fördern, die bei den anderen international renommierten Labels aus unserem Lande kaum vorkommt.

Thomas Fitterling, 22.12.2004



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Wenn man eine Umfrage über die Lieblingsjahreszeiten machen würde, dann würde der Winter dabei vermutlich eher schlecht abschneiden. Zu kalt, zu nass, zu dunkel – so die landläufige Meinung über diesen introvertierten Bruder des sonnensatten Sommers und der farbenfrohen Übergangszeiten. Nur Weihnachten, das bildet ein kleines, gemütliches (wenn auch für viele nicht unstressiges) Glanzlicht in der Winter-Tristesse. Doch der Winter ist weit mehr als nur die dunkle Jahreszeit, das hat […] mehr »


Top