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The Lady Who Swings The Band - Rediscovered Music Of Mary Lou Williams

Dutch Jazz Orchestra

Challenge Records CR 73251
(50 Min., 2/2005) 1 CD

Sie war eine der Großen. Mary Lou Williams, 1910 in Atlanta geboren, arrangierte für die eigene Band, Andy Kirk, Benny Goodman, Earl Hines, Tommy Dorsey und andere. Als ihr zweiter Ehemann, Harold "Shorty" Baker, in den 1940er Jahren Mitglied im Duke Ellington Orchestra war, bot sie auch ihm Arrangements an - mit Erfolg. 1967 sandte sie ihm erneut Noten, diesmal reagierte Ellington nicht mehr. Mary Lou Williams, die sich zwischenzeitlich aus der Jazzszene zurückgezogen hatte, schrieb immer häufiger ohne Abnehmer. So wurden neun der 13 Arrangements dieser CD noch nie zuvor aufgenommen, darunter auch vier der von Ellington missachteten Werke. Diesen Fundus übergab der Nachlassverwalter von Mary Louis Williams, Rev. Peter F. O’Brian, dem "Dutch Jazz Orchestra" - mit Erfolg, denn die auf das Aufarbeiten der Jazzgeschichte spezialisierte holländische Bigband interpretierte sie mit der nötigen Ruhe und Gelassenheit. In "Chief" entwickelt sie aus einem dunklen R&B-Motiv eine farbenprächtig swingende Nummer, die allerdings ursprünglich mit einem dümmlichen Text über den Indianerhäuptling "Chief Natoma from Tacoma" versehen war. "O. W.", eine Hommage an den Saxofonisten Orlando Wright, ist exzellenter Mainstream. Ihr für Ellington geschriebenes Arragement von "Scratchin‘ in the Gravel" - sie hatte eine andere Version bereits in den 1940ern von "Six Men and a Girl" erstmals aufgenommen - wäre ein prächtiges Feature für Ellingtons Altsaxofonisten Johnny Hodges geworden. Auch "You Know Baby" enthält ein herrliches Solo für Altsaxofon. Die übrigen Bigband-Arrangements verdeutlichen, wie flexibel sich Mary Lou Williams auf die Stile unterschiedlicher Orchester einstellen konnte. So sind "New Musical Express" und "Lonely Moments" vehement swingende Mainstream-Nummern. Darüber hinaus konnte sie - wie in "Ghost of Love" oder "Aries Mood" - wunderbare Melodien schreiben: Mary Lou Williams war eine Vollblutmusikerin, die es noch zu entdecken gilt. Die Aufnahmen des Durch Jazz Orchestra sind so stimmig, dass sie ein erster Schritt auf diesem Weg sein könnten.

Werner Stiefele, 29.04.2006



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