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N° 1223
16. - 22.10.2021

nächste Aktualisierung
am 23.10.2021



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My Game

Nils Wülker

Ear Treat Music 201/Edel Contraire
(53 Min., 7/2005) 1 CD

Nils Wülkers junge Karriere weist einige erstaunliche Besonderheiten auf. Der Trompeter war vor vier Jahren gerade mit der Jazz-Hochschulausbildung fertig, als er gleich einen Vertrag von Sony vorgelegt bekam. Im Namen der Japaner nahm das deutsche Kompositions-Talent dann eine gelungene, gleichwohl eher mittelmäßig beachtete Platte auf. Für mehr Aufsehen sorgte Wülkers Auftragsarbeit in Diensten des Bayerischen Rundfunks, dem er für das Nachtprogramm-Format "Space Night" originellen Chill-Out-Jazz zu den Weltraumbildern lieferte. Nun, mit 28 Jahren, hat sich der Wahl-Hamburger ganz bewusst von der Versorgungsschnur der Industrie losgemacht. Die CD "My Game" ist die erste Veröffentlichung auf Wülkers eigenem Label.
Der Musik nach zu urteilen muss man feststellen: diese Firmengründung steht unter einem guten Stern. Der Trompeter hat in seinen Stücken zu einer ganz eigenen Sprache gefunden, die von der Zweistimmigkeit der Themen lebt, die er gemeinsam mit dem Altsaxofonisten Jan von Klewitz in aller Seelenruhe vorträgt. Schlüssig ist auch der Übersetzungsprozess, den Wülker zwischen der Jazz-Klassik und der Pop-Moderne in Gang setzt. Klanglich setzt er dabei auf ein Quartett in Bop-Besetzung (neben Saxofonist von Klewitz mit dem Pianisten und Rhodes-Spieler Lars Duppler, dem Bassisten Dietmar Fuhr sowie dem Schlagzeuger Jens Dohle), melodisch liebäugelt er mit Wendungen, die aus allen möglichen Bereichen - von Sting über Jazzanova und E.S.T. bis Aaron Copland - stammen können. Das Stück "Detributize", in dem sich ein anfänglicher Trompeten-Loop unversehens in eine Fuge für Horn und Saxofon verwandelt, ist dafür nur eines von vielen guten Beispielen.
Es gibt auf "My Game" auch Neuerungen in Wülkers Klangspektrum zu verzeichnen. Da wäre zum einen der gelegentliche Einsatz eines Streichquartetts, das vollkommen pathosfrei als naturreiner Harmonieverstärker fungiert, zum anderen die Sanges- und Betextungs-Kunst der norwegischen Vokalistin Torun Eriksen. Bei zwei Songs wirkt sie mit. Und trifft genau den pragmatisch-traurigen Ton, der Wülkers Stücken zueigen ist. Möge das kein Geheimtipp bleiben!

Josef Engels, 22.10.2005



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