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From Dark Into The Light

Mal Waldron

Tutu/Fenn 888 220
(75 Min., 4/1992, 10/1994) 1 CD

Nach seinem Tod im Dezember 2002 geriet der schwarzamerikanische Pianist und Komponist überraschend schnell in Vergessenheit. Das mag paradoxerweise mit der Einzigartigkeit dieses Musikers zusammenhängen. Er wirkte wie ein Monolith, der seinen ganz eigenartigen Stil stoisch verfolgte, vergleichbar nur seinem großen Idol Thelonious Monk, und wie dieser wirkte er bei aller Originalität nicht direkt schulbildend. An Mal Waldron schieden sich durchaus die Geister, die einen warfen ihm mangelnde Technik und einen begrenzten improvisatorischen Ideenfundus vor. Andere waren hingerissen von dem, was sie als Magie seines Spiels empfanden und verwiesen auf die Verdichtung rhythmisch orientierter Wiederholungsfiguren, durch die er eine vitale Form der Reduktion praktiziere, die im Sinne eines Dichterworts wenig verändere und dabei doch alles verwandle. Mit der Veröffentlichung der live-Aufnahmen von zwei Tourneen mit seinem regulären Quartett, das auf die Band mit dem Saxofonisten Jim Pepper und dem Schlagzeuger John Betsch folgte, dürfen sich die Fans der Waldron’schen Magie bestätigt fühlen. Da ist die typische Mischung von Modalem und akkordisch Orientiertem, dazu kommt das zupackende schwarz funkelnde Powerplay. Die starre Solifolge von Saxofon, Klavier, Bass und Schlagzeug wirkt dabei allerdings etwas ermüdend. Doch die Solisten haben durchaus etwas zu sagen. Der Saxofonist Nicolas Simion besticht durch einen eigenständigen Sound, der mit seinem dunklen Timbre zu den transsilvanischen Wurzeln passt, von denen sein Spiel immer wieder kündet. Mal Waldron selbst spielt mit ungeheurer Vitalität und hält kraftvoll gegen das Schlagzeug von Victor Jones, der trotz stupender Technik nicht über die faszinierende Leichtigkeit und den langen Atem seines Vorgängers verfügt. Aber das war ja typisch Mal Waldron, dass er zentrifugale Kräfte zu gerichteter Energie zu bündeln wusste, und so ist diese CD bester live-Mal Waldron mit durchaus großen Momenten.

Thomas Fitterling, 19.05.2007



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