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Dharma Days

Mark Turner

Warner Jazz 9362-47998-2
(64 Min., 1/2001, 2/2001) 1 CD

Mit "Dharma Days" legt der fünfunddreißigjährige Tenorsaxofonist Mark Turner schon seine vierte CD auf dem gleichen Major Label vor. Wenn er dennoch nicht so bekannt ist wie etwa sein Freund und Kollege Joshua Redman, so mag das daran liegen, dass seine Musik etwas verquerer daherkommt, als die des postboppenden Mainstreamers.
"Dharma Days" macht dies eindrucksvoll deutlich. Mark Turner ist mit seiner Working Band ins Studio gegangen. Alle vier Musiker des Quartetts, neben Mark Turner noch der Gitarrist Kurt Rosenwinkel, der Bassist Reid Anderson und der Schlagzeuger Nasheet Waits, kennen sich musikalisch in- und auswendig und sind kreative Improvisatoren, die ihr Können ganz in den Dienst des Leaders stellen. Der wiederum hat das gesamte Material für die Session selber geschrieben.
Seit Miles Davis' zweitem Quintett weiß man, zu welch spannenden Interplays derartige Ensembles fähig sind, und an diesen Traditionsstrang dockt Mark Turner an. Er selbst klingt dabei immer wieder aufregend nach einem Wayne Shorter, der ebenso um Dexter Gordon, ja um Stan Getz, aber auch um die Experimente eines Eric Dolphy weiß. Die Rhythmik ist stark von dem spannenden Pendeln zwischen Beat und Puls des frühen Tony Williams geprägt: Bass und Schlagzeug spielen weniger Linien, als dass sie die implizierten Linien kommentieren. Kurt Rosenwinkels vielleicht etwas omnipräsente Gitarre hat etwas von einem in den Gitarren-Sound eines Bill Frisell und manchmal auch eines lakonischen Pat Metheny transfigurierten Herbie Hancock.
Die Themen sind monkisch verwinkelt und fließen doch mit gelassener Natürlichkeit. Auch da, wo sich das Saxofon in aberwitzige Kaskaden stürzt, bleibt die Musik eine Gruppenerfahrung, ein Ereignis, das auf seine Entstehung hin transparent bleibt. Damit hebt sich die Musik Mark Turners in ganz eindrucksvoller Weise von den sonstigen Hervorbringungen der Bläservirtuosen seiner Generation ab, und man darf getrost von einer großartigen CD sprechen.

Thomas Fitterling, 07.06.2001



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