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Road Movies

Eric Watson, Christof Lauer

Act/Edel Contraire Act 9429-2
(61 Min., 7/2003, 8/2003) 1 CD

Das sonst so zuverlässige rororo-Jazzlexikon erwähnt Eric Watson mit keiner Zeile, dem Saxofonisten Christof Lauer dagegen sind zwei ganze Spalten gewidmet. In Paris, wo Eric Watson seit 26 Jahren lebt, darf sich der amerikanische Pianist und Komponist über höchste Ehren freuen; der Kulturminister hat ihn zum "Chevalier des Arts et des Lettres" geschlagen. Diese Auszeichnung verdankt er aber in hohem Maße sicher auch seinem Ruf als Interpret und Komponist zeitgenössischer klassischer Musik. Irgendwie entzieht sich dieser ruhige freundliche Musiker einfacher Kategorisierung. Seinen Einstand in Europa gab er einst mit einer Trio-LP, auf der er mit Paul Motian dem pianistischen Donnergott McCoy Tyner huldigte. Später bestellte er dann mit seinem Partner John Lindberg das Terrain von Motians einstigem Arbeitgeber Bill Evans und brach von da in freiere Gefilde auf, um dann immer wieder in die Straight-ahead-Welt zurückzukehren. Jetzt hat er dem Frankfurter Tenorsaxofonisten, dem Mann der die glühende Fackel Coltranes aus der Hand Heinz Sauers übernommen hat, die Musik zu einer ganzen CD geschrieben. Erweiterte Bebop-Phraseologie im Sinne Ornette Colemans lässt die Grenzen zwischen Geschriebenem und Improvisierten verschwimmen. Intensive Interaktion zwischen Klavier und Saxofon darf dabei stattfinden, an der auch das junge französische Rhythmusteam von Kontrabass und Schlagzeug teilhat. Christof Lauer ist in Höchstform, und die Souveränität mit der Eric Watson seinen Gestaltungswillen affirmiert und gleichzeitig seinem Solisten dient, dürfte ihm die Aufnahme in das deutsche Jazzkompendium sichern.

Thomas Fitterling, 28.08.2004



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