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Blues In Mind

Christof Lauer

Act/edel contraire ACT 9446-2
(57 Min., 4/2006) 1 CD

Der Sopran- und Tenorsaxofonist Christof Lauer gehört zu den herausragenden Musikern in Europa. Als Instrumentalist ist er ein wissender Virtuose, einer, der den größten Ausdruck nicht durch kraftmeierisch herausgeschleuderte Klangkaskaden erreicht, sondern durch einen unbedingten Formwillen, der auch etwas mit einer ganz leichten Skepsis der Selbstdistanz zu tun hat. Das Geheimnis dabei ist, dass die Authentizität der ausgedrückten Emotion darunter nicht leidet. Das hat viel mit dem Wissen um die Albert-Mangelsdorff-Tradition und um die Ästhetik von Mangelsdorffs einstigem Saxofonisten Heinz Sauer zu tun. Auf dem Sopransaxofon hat Christof Lauer zudem einen ganz eigenen Ton, der sich erfreulich von den Klängen eines Coltrane, Wayne Shorter oder Steve Lacy unterscheidet. Jetzt hat dieser Künstler mit Michel Godard an Tuba und Serpent und dem britischen Schlagzeuger Gary Husband, der auch stimmungsvolle Einwürfe am Klavier beisteuert, ein großartiges Album eingespielt. Die hohe Kunst der Interaktion, die sich weite Räume zum gegenseitigen Hören schafft, wird hier gefeiert. Michel Godards tänzelnde und dann graziös schlingernde Basslinien sind emanzipierte Folien, vor der sich die Explorationen des Saxofons entfalten. Dazu spielt Gary Husband ein magisch verführerisches, ja fast süffiges Schlagzeug, das aus ziselierender Feinarbeit die herrlichsten Funken schlägt. Faszinierend ist auch die Bandbreite der Stücke, die von allen drei Beteiligten stammen. Faszinierend deswegen, weil hier tatsächlich das Material in einem kompositorischen Sinne im Geiste der jeweiligen Stimmungen abgehandelt wird und nicht wie andern Orts so oft einfach Vorwand für beliebiges improvisatorisches Virtuosentum ist; kurz: Blues in Mind ist ein Meisterwerk.

Thomas Fitterling, 26.01.2007



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