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Gypsy Colours

Tony Lakatos

Skip/Soulfood SKP 9062-2
(67 Min., 8/2005) 1 CD

Der ungarische Tenor- und Sopransaxofonist Tony Lakatos genießt auf der internationalen Szene einen hervorragende Ruf als eigenständiger Musiker der Joe-Henderson-Tradition. Stars aus dem Straight-ahead-Lager wie aus dem Fusion-Bereich haben ihn immer wieder verpflichtet. Jetzt ist der mittlerweile in Frankfurt lebende Musiker auf dem besten Wege, selber zum Star zu werden. An diesem Wendepunkt in seiner Karriere und im besten reifen Mannesalter besinnt er sich auf seine kulturellen Wurzeln in der Gypsy-Kultur. Um ein Trio, das mit seinen Brüdern Szakcsi Bela und Andras an Klavier und Schlagzeug und dem Bassisten György Orban besetzt ist, hat er weitere Musiker mit ungarischem Roma-Hintergrund geschart, zu denen noch sein weiterer Bruder Roby als Geiger und der Hackbrett-Spieler Miklos Lukasc gehören. Auf zwei Nummern ist der Sinti Ferenc Snetberger zu Gast und verweist auf die große Ikone des Zigeuners-Jazz, auf den Sinti-Gitarristen Django Reinhardt. Doch ebenso wenig wie Ferenc Snetberger ein Zigeuner-Jazzer im klischeehaften Sinne ist, lässt sich die Musik dieser CD der Flut der schon vor ihrer Einspielung wohlbekannten Gypsy-Alben aus der Hot-Club-de-France-Tradition zurechnen. Modern Jazz ist hier das Zugangsmedium, durch das die traditionellen Gypsy-Weisen lebendig werden; die Verwandtschaft von Modaljazz und Roma-Gesangsimprovisation wird entdeckt und die Vitalität des Csardas entlädt sich im Bebop. Dabei ist die Annäherung nie vordergründig, denn die Beteiligten sind im modernen Jazz ebenso zu Hause, wie sie in ihrer Roma-Kultur verwurzelt sind. Szakscsi Bela, Roby, Miklos und Andras sind ihrem Bruder Tony durchaus ebenbürtige Musiker, und der ist hier bei bester ernsthafter Spiellaune.

Thomas Fitterling, 17.12.2005



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