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Overtime

Dave Holland

Emarcy/Universal 06024 982 7142
(79 Min., 11/2002) 1 CD

Dave Holland, der in Amerika lebende Brite, dessen warmtönendes Kontrabassspiel mit harmonischer Sophistication und rhythmischer Finesse selbst in der reduzierten Form des Solokonzertes mit tiefgründiger Heiterkeit verzauberte, gilt vielen als der Combomusiker par excellence, sowohl als Bassist, als auch als Bandleader und Komponist. Umso größer war die Überraschung, als er vor vier Jahren eine Big Band zusammenstellte und sich auf einer ECM-Produktion als Orchesterleiter- und Arrangeur allerersten Ranges bewies. Inzwischen hat er ein eigenes Label gegründet und dafür mit der weitgehend gleich besetzten Big Band ein zweites Album eingespielt, das nun von EmArcy unter eigenem Namen vertrieben wird. Wieder liegt das Geheimnis des Erfolgs in dem, was lange Zeit auch als die typisch britische Form des Kompromisses galt, der eben nicht auf gegenseitige Halbheiten setzt, sondern das Wesentliche des jeweils anderen akzeptiert und miteinander in Einklang existieren lässt. In der Musik Dave Hollands sind das die Big-Band-Tradition (besonders die eines Duke Ellington), die ganz natürlich wirkende Sophistication der Instrumentierung im Sinne von Gil Evans und jene eigentümliche Dave-Holland-Harmonie- und Melodieführung, die schon sein Quartett und Quintett unverwechselbar machten. Und weil er es mit seinem Großensemble im besten Sinne mit einer lange gewachsenen Koalition der Willigen zu tun hat und er somit - wie einst der Duke - den Musikern ihre Stimmen auf den Leib schreiben kann, ist die Musik von Overtime so ganz persönlich die von Dave Holland - und das ist sie paradoxerweise noch umso mehr, als sie mit ihren dichteren Arrangements mehr den traditionellen Big-Band-Prinzipien folgt als das Vorgängeralbum. Dieses Ensemble mit seinem Composer-Arranger-Leader hat den Status eines Projekts weit hinter sich gelassen und sich mit Overtime zur aktuellsten Big Band schlechthin entwickelt.

Thomas Fitterling, 09.04.2005



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