Responsive image

The Grand Unification Theory

Stefon Harris

Blue Note EMI 532 498-2
(55 Min.) 1 CD

Was für ein Zyklus von Stimmungsgemälden! Stefon Harris, der bislang eher als brillanter Vibrafonist von sich reden machte, profiliert sich mit der Suite "The Grand Unification Theory" als Komponist von Format. Für die ungewöhnliche Besetzung seiner regulären Rhythmusgruppe - (Piano: Xavier Davis, Bass: Tarus Mateen, Schlagzeug: Terreon Gully) mit doppelt besetztem tiefen Blech von Posaune (Steve Turre) und Bassposaune (Douglas Purviance), nur einem Tenorsaxofon (Tim Warfield), nur einer Trompete (Derrick Gardner), (Mark Vinci), Flöte (Anne Drummond) sowie klassischer Percussion (Myles Weinstein) und afrikanischer Percussion (Khalil Bell) - schrieb er elf lose miteinander verbundene Stücke und zwei Prologe.
Das Ergebnis ist eine Programmmusik mit einem hoch gestochenen Thema: ein Zyklus, der vom Urknall über eine fröhliche Kellerparty im Stil der 1970er Jahre, der musikalischen Verarbeitung von Drogentrips und einem akustischen Spiegel der Wiedergeburt bis zur Theorie der Großen Vereinigung reicht. Mit einem feinen Gespür für Nuancen führt er seine Großformation. Er integriert Ethno-Elemente, Latin, swingenden Jazz, Vergnügen, Düsternis, freie Improvisationen und herrlich arrangierte Passagen, entführt in Schwebezustände und holt seine Musiker und Hörer auf den Boden zurück. Für sich selbst schafft er immer wieder Momente, in denen er sich ohne Allüren mit Vibrafon und Marimba ins Geschehen betten kann. Nicht jeder Abschnitt fällt programmmusikalisch eindeutig aus - aber wen stört das? Die Kompositionen selbst sind so abwechslungsreich und tief durchgearbeitet, dass sich das Zuhören aus rein musikalischen Gründen lohnt. Ein Genuss!

Werner Stiefele, 01.02.2003



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Das ging fix! In Schumanns „Haushaltsbuch“ kann man nachlesen, wenn auch gewohnt kryptisch, wie rasch er mit der Arbeit an seinem Klaviertrio op. 110 vorankam: „1. Okt. 1851 Kompositionsgedanken, 2. Okt. Triogedanken, 3. Okt. 1. Satz fertig, 4. Okt. 2. Satz, 5. Okt. 3. Satz, Freude, 27. Okt. Probe zum Trio zum ersten Mal, Freude.“ Dabei war Schumann sonst nicht unbedingt ein Schnellschreiber wie etwa Mozart. Doch die vier Sätze wirken wie aus einem Guss, wie in einem Schaffensrausch zu […] mehr »


Top