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A Thousand Evenings

Dave Douglas

RCA Victor/Sony BMG 09026 63698 2
(67 Min., 2/2000, 8/2000) 1 CD

Zu welchem Genre zählt, was der Trompeter Dave Douglas mit dem Akkordeonisten Guy Klucevsek, dem Geiger Mark Feldman und dem Bassisten Greg Cohen spielt? Klezmer? Jazz? Volksmusik? Zeitgenössische Ernste Musik? Die neun Kompositionen Douglas' haben von allem was, und gerade dies macht sie so einzigartig, dass sich jegliche Kategorisierung verbietet.
Im zweisätzigen "The Branches", das Douglas dem jiddisch-amerikanischen Klarinettisten Dave Tarras widmete, stilisiert das Quartett die Klezmer-Tradition ähnlich gehaltvoll, wie einst Astor Piazzolla den Tango in Kunstmusik verwandelte. Im Gegenzug stellt Dave Douglas in "The Little Boy With The Sad Eyes" seine Fähigkeiten als rauer Jazztrompeter heraus. Selbst "Goldfinger", die durch Shirley Bassey bekannt gewordene Titelmelodie eines James-Bond-Klassikers, klingt bei diesem Quartett so, als habe der Trompeter gerade eine kleine Melodie erfunden und höchst eigen arrangiert. Keine Spur mehr von der Präsenz des Originals! Hier dominieren die getragenen, melancholischen Klänge.
Die dreiteilige Suite "In So Many Worlds (for Jaki Byard)" trägt ihren Titel völlig zu Recht, denn hier verschmelzen Elemente aus einer fast nicht zu zählenden Fülle von Epochen und Genres von der Klassik bis zur Folklore zu einer vielschichtigen Komposition. Einfacher ist es dagegen bei "On Our Way Home": Diese Nummer erinnert schlicht und einfach an die Volksfestmusiken auf dem Balkan. Dave Douglas hat mit diesem Trio eine eigene Tonsprache entwickelt, die sich dank ihrer immensen, in sich schlüssigen Vielfalt keinem Genre zuordnen lässt.

Werner Stiefele, 16.11.2000



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