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Freak In

Dave Douglas

Bluebird/Sony BMG 09026 64008 2
(65 Min., 9/2002) 1 CD

Glückwunsch. Dem Multitalent Dave Douglas gelang mit der Platte ”Freak In”, was schon viele versuchten: Eine rundum stimmige Kombination aus den Beats von Drum’n’Bass, den Klangmustern der Fusion, wohldosiertem Noise und Ethno-Bezügen. In den zwölf Titeln, darunter einem nicht mit Titelmarkierung angezeigten hidden track, verschmilzt er so ziemlich alles, was sich in der großen weiten Welt mit Jazzfeeling vereinen lässt. Der Schlagzeuger Joey Baron und der oft gezielt monoton, wohl aber federnd agierende Bassist Brad Jones sowie der Keyboarder Jamie Saft legen in ”Freak In”, ”Eastern Parkway”, dem großartigen ”The Great Schism” und dem rockbetonten ”Traveler There Is No Road” einen nervös pulsierenden Untergrund, den Ikue Mori mit elektronischem Geblubber und tausenderlei synthetischen Geräuschen würzt. Darüber erhebt sich Dave Douglas so souverän wie einst Miles Davis auf dem legendären Album ”Bitches Brew” aus dem Hexenkessel seines Flittchen-Gebräus heraus stach. Stellenweise sorgt der Avantgardegitarrist Marc Ribot mit geräuschhaft schrillen Sequenzen für akustische Kontraste, lässt aber auch in ”Culver City Park” fast den tradiert akustischen Klang und in ”Wild Blue” weiche Rockgitarrensounds zu. Wärmere Töne steuert oft einer der Saxofonisten Seamus Blake oder Chris Speed bei. Je nach Titel wird dieses Konzept modifiziert. So arbeitet die Band in ”Black Rock Park” mit verblüffenden Verzögerungs-Effekten, und ”Hot Club 13th Street” sowie das tabla-betonte ”November” sind faszinierende Begegnungen zwischen einer fast swingenden Bass-Schlagzeug-Kombination, schrägen Sounds und Dave Douglas' herrlich losgroovender, verhalten melodischer Trompete. Der versteckte Track ist eine Collage aus Elekronen-Fiepen und mehrstimmig gesetzten, langen Bläserklängen. Die Platte hat das Zeug, zum Klassiker einer neuen, im 21. Jahrhundert geborenen Fusion zu werden.

Werner Stiefele, 15.03.2003



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