Responsive image

The Look Of Love

Diana Krall

Verve/Universal Jazz 549 846-2
(51 Min., 2001) 1 CD

Was für ein herrlich altmodischer Streicherteppich!, möchte man ausrufen. In der Tat hat Claus Ogerman, einer der renommiertesten Arrangeure der sechziger und siebziger Jahre, für diese Aufnahmen eigens seinen Ruhestand unterbrochen.
Gerade so, als wollte Ogerman das Halbdutzend LPs nahtlos fortsetzen, die er für Carlos Jobim gestaltete, beginnt dieses Album mit einer Bossa-Nova-Version von Gershwins "S' Wonderful". Mit einem Timbre, das weiße Amerikaner gewiss für unwiderstehlich halten, hebt Diana Krall zu singen an. Und was geschieht? Der sorgsam aufgebaute Spannungsbogen bricht schlagartig zusammen. Oder schürte die Hörerfahrung mit all den Individualisten, für die Ogerman komponierte - Bill Evans, Stan Getz, Wes Montgomery, Jimmy Smith -, bei mir etwa zu große Erwartungen?
Diana Krall hat zwar eine angenehme und solid geführte Stimme und weiß genau, welches Repertoire - meistens mit Sinatra assoziierte Balladen - ihr entspricht. Aber anders als Shirley Horn, die uns kürzlich auf "You're My Thrill" mit romantischen Arrangements von Johnny Mandel betörte, fügt Diana Krall den weidlich bekannten Titeln nichts Neues, Eigenes hinzu.
Anders gesagt: Sie strahlt keine Persönlichkeit aus. Und im Jazz ist dies mehr als ein Manko, es ist eine Todsünde. Aber da "The Look Of Love" sorgfältig produziert und gediegen musiziert ist, und es immer weniger Menschen gibt, die einmal bewusst wirklich guten Jazzgesang gehört haben, wird sich auch dieses Krall-Album wieder ausgezeichnet verkaufen und dabei noch jede Menge Preise einheimsen.

Mátyás Kiss, 13.09.2001



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Ein paar vorgegebene Noten, aber auch viel frei Improvisiertes – fast wie im Jazz. Beschrieb Nils Mönkemeyer seinen neuen diskografischen Ausflug nach Italien jüngst im Radio. Und ja, wer sich etwa erinnert, was Patricia Kopatchinskaja dem Konzerte wie am Fließband produzierenden Antonio Vivaldi unlängst auf der Geige andichtete – zugeben deutlich radikaler, als Mönkemeyer hier vorgeht – fühlt sich darin bestätigt. Es gibt Spielraum. Nun ist Mönkemeyer Bratscher, begegnet also […] mehr »


Top