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Johann Sebastian Bach

Klavier-Transkriptionen von Busoni, Rachmaninow, Cortot, Tausig, Liszt u.a.

Wilhelm Backhaus, Artur Rubinstein, Sergei Rachmaninow, Alexander Kelberine, Alfred Cortot u.a.

Naxos Historical 8.110658
(68 Min.) 1 CD

Eine ganze Schatztruhe in Gestalt einer CD! Erforscht wird Johann Sebastian Bach, also der größte Komponist des 17. Jahrhunderts, mit den Mitteln des 19., also dem Klavier. Das quintessenzielle Instrument der Romantik übernimmt Geigensoli ebenso wie Orgelgebraus, den menschlichen (auch Chor-)Gesang wie ein ganzes Orchester: Und wenn ein Klavier sowie zwei Hände nicht reichen, dann nimmt man eben zwei Klaviere oder vier Hände, oder man spielt auf dem zweimanualigen Ungetüm, das schon so heißt, nämlich „Bechstein-Moór Duplex-Coupler Grand Piano“.
Einige der wattstärksten Pianistennamen von vorgestern leuchten hier (Cortot, Backhaus, Gieseking, Rubinstein) neben längst verglühten, aber nicht minder guten (Winifred Christie, Ethel Bartlett, Alexander Kelberine), und was sie allesamt belegen, ist die Universalität von Bachs Musiksprache und die ihr eigene inhärente Romantik. Wenn Rachmaninow drei Sätze aus der dritten Geigenpartita wie üblich silberhell pointiert, wenn Cortot die Aria aus dem f-Moll-Konzert tatsächlich zum endlos schönen „Lied ohne Worte“ macht, wenn Wilhelm Backhaus gleich das ganze „Weihnachts-Oratorium“ in die Tasten bannt (na ja, wenigstens dessen Pastorale) – dann wird immer wieder deutlich, wie überzeitlich „modern“ der Komponist Bach war und ist.
Eine der schönsten, der tröstlichsten Beigaben, das Choralvorspiel „Herzlich tut mich verlangen“, kommt ausgerechnet von Alexander Kelberine, dem unheilbar Depressiven: Der absolvierte einst ein Rezital nur mit Stücken in Moll und von grabesfahlem Charakter, endend mit Liszts „Totentanz“. Dann ging er nach Hause und nahm eine Überdosis Schlaftabletten. Diese auch klangtechnisch wunderbar gelungene CD liefert dazu die Antithese: pure Lebensbejahung!

Thomas Rübenacker, 01.12.1999



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