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Whispering Waves

Anne Kierulff

L+R/Bellaphon CDLR 728721
(53 Min., 8/1999) 1 CD

Anscheinend war Anne Kierulff mit der Breitenwirkung ihrer vor sechs Jahren erschienen ersten CD nicht zufrieden; das sollte ihr kein zweites Mal passieren: Auf eigene Kosten ging sie mit ihren neuen Liedern zwei Tage ins Studio und spielte sie mit ihrem Quartett mehrmals in Folge durch, als handle es sich um einen Live-Set. Das daraus erstellte Masterband bot sie anschließend verschiedenen Plattenfirmen an - ein deutsches Label griff zu.
Lippmann & Rau könnten mit der blonden Dänin einen guten Fang gemacht haben. Will man heutzutage mit einer CD reüssieren, führt es, anders als bei einem Auftritt, nämlich zu nichts, wenn irgend eine halbwegs annehmbar aussehende und trällernde junge Dame zum x-ten Male das "Great American Songbook" durchblättert. Selbst wenn sie zuvor eine strenge Diät klassischer Gesangsaufnahmen der letzten Jahrhundertmitte durchgehalten haben sollte - die nicht nur auf dem Gebiet der Musik seither gänzlich veränderte Welt, in der die Nachwuchssängerin von heute groß wurde, kann sie kaum kalt und unberührt gelassen haben.
Als Nachspeise versteht es Anne Kierulff durchaus, im Zweifel auch einer Gershwin-Nummer ("Someone To Watch Over Me") eine eigene Note abzugewinnen; das Hauptgericht aber kocht sie nach eigenem Rezept. Über ihre gelegentlich seltsame Phrasierung, manchmal etwas eigene Betonungen der englischen Wörter oder den poetischen Wert ihrer Texte könnte man sich unterhalten - was aber die große Stärke von "Whispering Waves" ausmacht, sind die neuen Wortfolgen und unverbrauchten Melodien.
Das Kierulff sekundierende Quartett (Klaviertrio plus Saxofon) widmet sich seinen Aufgaben mit Verve und Eloquenz; außerdem besticht die CD durch ein fabelhaft präsentes Klangbild. Ich hoffe sehr, dass Anne Kierulff demnächst auf Tournee geht, damit man ihr auch mal in die Augen schauen kann.

Mátyás Kiss, 28.03.2002



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