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Maurice Ravel

Klaviermusik

Robert Casadesus, Philadelphia Orchestra, Eugene Ormandy

Masterworks Heritage/Sony MH2K 63316
(149 Min., 4/1946, 1/1947, 12/1951) 2 CDs, mono

In der Jahrhundertmitte haben Robert Casadesus und Walter Gieseking Ravels Klavierwelt unter sich aufgeteilt. Casadesus verwaltete seine Hemisphäre mit liebevoll-distanzierter Bedächtigkeit, so wie ein Schmetterlingssammler (Gieseking war einer, spielte aber nicht so) in aller Ruhe an seinem Tische die Farben der Flügel bewundert, ohne etwas zu zerpflücken. Er hat “Scarbo” dem Komponisten vorgespielt, sein maßvolles Scherzo-Tempo hatte Ravels Segen. Keiner von beiden dachte daran, die klare Artikulation dem Effekt zu opfern, wie es heute Sitte ist.
Diese Mischung aus Innerlichkeit - als wäre kein Publikum im Raume - und einer anstrengungslosen Meisterung des Überschweren ist magisch-zeitlos. Wer kann das heute so spielen? Gieseking, der dämonischere Zauberer, ging im “Alborada del gracioso”, dem mit “Scarbo” wohl vertracktesten Stück, volles Risiko, erspielte Grenzen, wo Casadesus, um die Dimension des Irrwitzigen ärmer, ungefährdet eine größere Palette von Klangfarben ausbreitet. Auch beim “Tombeau de Couperin”, dessen scheinbar eindeutige Rückwendung zum Klassizismus viele Interpreten dazu verleitet, im Flügel ein getuntes Clavecin zu sehen, gelingt Casadesus mühelos, bedingungslose Klarheit und einen unerhörten Nuancenreichtum zu vereinen. Er bleibt der Souverän in Ravels Reich. Braucht man nach dieser Referenzversion (neben Walter G. natürlich) noch weitere Ravelplatten?

Matthias Kornemann, 30.04.1998



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