Das Schlosstheater im schwedischen Drottningholm, Aufzeichnungsort dieser Produktion, entstand 1766, also etwa ein Jahrzehnt nach der überarbeiteten Fassung von "Zoroastre" und verfügt über eine noch heute funktionierende originale Bühnentechnik. Ingmar Bergman hat dort Teile seines "Zauberflöten"-Films gedreht, und mit dem Medium Film hat diese Produktion einiges gemeinsam. Wie in Mozarts vier Jahrzehnte später entstandener Oper geht es (ebenfalls freimaurerisch beeinflusst) in de Cahusacs "tragédie lyrique" – von Rameau farbenreich und äußerst wirkungsvoll in Musik gesetzt – um den Kampf zwischen Gut und Böse, hier angesiedelt im Königreich Baktrien; am Ende siegt das Gute mit der Lehre des Religionsstifters Zoroastre. Das Konzept der Bildregie ist ähnlich wie bei Bergman. Hier wurde keine Aufführung nur abgefilmt, vielmehr wurde die Oper trotz Publikum aufwändig mit Gegenschnitten, Detailaufnahmen, ungewöhnlichen Perspektiven speziell für das Medium Film bzw. TV produziert. Regisseur Pierre Audi lässt sich ganz auf die besonderen Produktionsbedingungen ein. Er kommt mit wenig Requisiten aus, nutzt die Möglichkeit schneller Verwandlung der (Original-)Kulissen und das historisch fahle Licht für ein Spiel mit Licht und Schatten, passend zur Handlung; die Kostüme sind in Schwarz und Weiß mit Zwischenstufen gehalten, und die vielfach in Großaufnahmen präsentierte Gestik wäre im Film ebenso gut aufgehoben.
Die im Unterschied zu anderen Rameauaufführungen klassischere, mehr aufs Schauspielerische setzende und scheinbar weniger spektakuläre Inszenierung hat mit den einfachen, aber effektvollen Mitteln (dezente Kostüme und besondere Effekte wie der auch das Cover zierende zehnarmige Oromasès oder die "schwarzen Messe" im 4. Akt) besondere Qualitäten. Dazu korrespondieren eine hochkarätige Sängerbesetzung, die durch vor Ort ansässige Kräfte verstärkten Talens Lyriques und ein Tanzensemble, das in seinen Einlagen die Empfindungen der Sänger reflektiert – musikalisch gewohnt inspiriert geleitet von Christophe Rousset. Das begleitende Feature bietet nicht nur Einblicke in die Musik und in das überzeugende Regiekonzept, sondern auch in die Besonderheiten des historischen Theaters.

Peter Overbeck, 07.09.2007



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