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Colossus Of Sound

Daniel Schnyder

Enja/Soulfood 9460-2
(64 Min., 12/2002) 1 CD

Als Daniel Schnyder 1994 das Jazzalbum "Nucleus" vorlegte, freute sich die Jazzwelt darüber, dass der Schweizer kräftige Grooves mit anspruchsvollen Kompositionen und Improvisationen verbindet. Inzwischen hat Daniel Schnyder seine wahre Leidenschaft gefunden: Orchester- und Kammermusik in klassischer Besetzung, geprägt von nachvollziehbaren Melodien, oft mit einem Schuss Filmharmonik, in der einerseits Einflüsse von Prokofjew und Schostakowitsch zu spüren sind und andererseits Klangcluster aus der Moderne der letzten 50 Jahre auftauchen. Mit viel Fingerspitzengefühl dirigiert Kristjan Järvi die Philharmoniker des NDR bei vier Werken Daniel Schnyders. Das dreiundzwanzigminütige Violinkonzert beginnt verhalten, wobei Kathrin Rabus mit brüchigen, hellen Geigenklängen eine nach Auflösungen suchende Stimmung schafft. Der zweite Satz löst diese Erwartungshaltung mit gefühlvollen, von Anklängen an Filmmusik begleiteten Kantilenen ein. Der expressive dritte Satz führt vollends in eine Welt der vergnügten Rhythmen und angenehm ineinander verschachtelten Melodien - da müssten Hollywoods Produzenten eigentlich aufmerksam werden! Die dreizehnminütige "Symphony No. 4" öffnet weite Fühllandschaften - mal zerrissen, mal mit Schmetterlingen über einer Blumenwiese, hin und wieder bedrohlich eingefärbt, dann wieder im Sonnenschein. Noch aufwühlender fällt das einundzwanzigminütige Trompetenkonzert aus. Reinhold Friedrich integriert in seinem virtuosen Spiel auf Trompete und Flügelhorn Growl- und Dämpferklänge sowie eine Fülle von Jazzfiguren und die klare, klassische Tonbildung so schlüssig, als seien die beiden Welten schon immer eins gewesen. Hier konzentriert sich das Orchester darauf, eine komplexe, an Stimmungen reiche Basis für den Solisten zu legen. Die Zugabe, eine dreiminütige "African Suite", wirkt wie ein Ausbruch von orchestraler Energie und Lebensfreude. Trotz aller Anklänge ans Filmgenre gelangen Daniel Schnyder vier Orchesterwerke, die selbständig bestehen können. Dank ihrer emotionalen Kraft, ihres Melodienreichtums und ihrer komplexen Komposition könnten sie sogar einen Weg ins Konzertrepertoire von Sinfonieorchestern finden, denn sie sind modern und sprechen ein breites Publikum an.

Werner Stiefele, 15.05.2004



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