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Responsorium

Dino Saluzzi, Palle Danielsson, José Maria Saluzzi

ECM/Universal 017 069-2
(63 Min., 11/2001) 1 CD

Wenn Dino Saluzzi ”seine folkloristische Musik macht, ist er einzigartig”, lobte Astor Piazolla 1989 seinen argentinischen Bandoneon-Kollegen. Damals suchte der noch seine Identität zwischen Tango, indianischer Folklore und Jazz. Und ähnlich, wie die Pariser Kompositionslehrerin Nadja Boulanger einst ihm davon abgeraten hatte, sich in der europäischen Ernsten Musik zu versuchen und stattdessen zum Tango zurückzukehren, riet er Dino Saluzzi, er ”sollte sehr stolz auf seine Musik und seine indianischen Wurzeln” sein. Inzwischen hat Dino Saluzzi seine musikalische Identität gefunden. Mit südamerikanischer Musik, die vom Tango der Metropolen bis zur Einsamkeit der Hochebenen reicht. Mit einer Prise Jazz, die Palle Danielsson mit dem Kontrabass als verbindendes Element in die weiträumigen Melodien Dino Saluzzis fügt. Mit der Gitarre, auf der sein Sohn José Maria Saluzzi die Attacke der Saiten gegen das Schwingen Zungen des Bandoneons setzt. Solo, zu zweit, zu dritt entstehen Stücke, in denen sich Melancholie und Lebensfreude begegnen. Einsamkeit und intensive Begegnung, Folklore und Abstraktion, Langsamkeit und hohes Tempo: Aus derart weit auseinander liegenden Polen formulieren diese drei Geschichten voll Spannung und Tiefe. Er schreibe keine Kunstmusik, behauptet Dino Saluzzi. Das stimmt nur, wenn man mit dem Begriff ein starres, ewig gültiges Regelwerk verbindet. Die neun Stücke von ”Responsorium” sind so reich an Gedanken und emotionaler Dichte, dass sie als eigenständige, südamerikanische Kunstmusik einen gleichwertigen Gegenpol zum europäischen Verständnis dieses Begriffs bilden.

Werner Stiefele, 29.03.2003



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